Schlagwort: Die arabische Revolution

Medien International: Vereinfachung hilft im Jemen-Konflikt nicht weiter


Medien International: Vereinfachung hilft im Jemen-Konflikt nicht weiter

Binnen kurzer Zeit hat sich im Jemen ein regionaler Konflikt entwickelt. Wird die Lage in arabischen wie westlichen Medien ähnlich beurteilt? Die DW Akademie diskutierte darüber mit Medienexperten (Adnan Tabatabei, Loay Mudhoon, Aktham Suliman und Marie-Christine Heinze ) im ARD-Hauptstadtstudio.

Vereinfachen, ohne den Konflikt einseitig darzustellen. Dieser Herausforderung sehen sich Journalisten jeden Tag gegenüber, wenn sie vom Konflikt im Jemen berichten. Doch wie mit dieser Herausforderung umgehen? Darüber diskutierte Moderator Arnd Henze, WDR-Fernsehkorrespondent im ARD-Hauptstadtstudio, am vergangenen Freitag (8. Mai 2015) mit einem hochkarätig besetzten Panel. Dabei schlug er vor, die Veranstaltung „Medien International: Arabische Halbinsel“ zu nutzen, um jenseits von Klischees und interessengesteuerter Vereinfachungen unvoreingenommen auf den Jemen-Konflikt zu schauen.
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Kommentar: Katar bleibt wichtiger Partner deutscher Außenpolitik


Kommentar: Katar bleibt wichtiger Partner deutscher Außenpolitik

Trotz Kritik an ihrem außenpolitischen Kurs setzt Bundeskanzlerin Merkel weiterhin auf eine enge Zusammenarbeit mit der neuen katarischen Führung. Das ist pragmatisch und klug zugleich, meint Loay Mudhoon.

Der Besuch des jungen Emirs von Katar, Scheich Tamim Bin Hamad al-Thani, in Berlin wurde von einer heftigen Debatte in der deutschen Öffentlichkeit überlagert: Wie sollte der „richtige“ Umgang mit dem Terror des selbsternannten „Islamischen Staates“ aussehen? Dabei geriet der kleine, aber einflussreiche Golfstaat in den Verdacht, an der Finanzierung dieser barbarischen Terrorgruppe beteiligt zu sein, obwohl es dafür bislang keine konkreten Belege gibt.

Auch Berichte über menschenverachtende Arbeits- und Lebensbedingungen ausländischer Arbeiter auf den gigantischen Baustellen in Doha ließen das Land und seine ambitionierte Führung in keinem guten Licht erscheinen. Daher war es auch nicht verwunderlich, dass hierzulande Stimmen laut wurden, die die Bundesregierung aufforderten, diese Fragen beim hohen Besuch aus Katar offen anzusprechen.

Doch Bundeskanzlerin Merkel machte nach dem Treffen mit Scheich al-Thani klar, dass Deutschland weiterhin auf enge Zusammenarbeit mit der neuen katarischen Führung setzt. Sie klammerte jedoch bekannte Streitpunkte nicht aus und musste sogar einräumen, dass es in Fragen wie etwa der katarischen Unterstützung der Hamas unterschiedliche Ansichten gebe.

Dieser pragmatische Kurs ist notwendig und klug zugleich. Denn das „Mini-Emirat“ am Golf ist als Partner deutscher Außenpolitik zu wichtig, ja geradezu unverzichtbar. Und dies ist keinesfalls allein auf die Tatsache zurückzuführen, dass Katar einer der wichtigsten Investoren in Deutschland und finanzstarker Abnehmer der deutschen Rüstungsindustrie geworden ist.
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Kommentar: Syrien-Resolution offenbart die Schwäche des Westens


Kommentar: Syrien-Resolution offenbart die Schwäche des Westens

Die Annahme der UN-Resolution zur Vernichtung aller syrischen Chemiewaffen ist ein wichtiger Erfolg für die UN-Diplomatie. Sie ist aber auch Ausdruck mangelnder Durchsetzungsfähigkeit des Westens. Ein Kommentar von Loay Mudhoon.

Endlich ist sie aufgehoben, die zweieinhalbjährige Blockade im UN-Sicherheitsrat, die jedwedes international abgestimmte Vorgehen im Syrien-Konflikt verhinderte. Nach wochenlangen Diskussionen und Verhandlungen zwischen russischen und amerikanischen Diplomaten hat das mächtigste UN-Gremium eine völkerrechtlich verbindliche Resolution angenommen, die Syrien dazu verpflichtet, alle Chemiewaffen zu vernichten. 
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In eigner Sache: zu Gast beim ARD-Presseclub zum Thema: Aufruhr in Ägypten


In eigner Sache: zu Gast beim ARD-Presseclub zum Thema: Aufruhr in Ägypten

Nahost-Experte Loay Mudhoon zu Gast beim ARD-Presseclub zum Thema: Aufruhr in Ägypten – wird aus dem arabischen Frühling ein blutiger Herbst?

Nahostexperte Loay Mudhoon von der war am Sonntag, 18. August, zu Gast beim ARD-Presseclub. In der von WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn moderierten Sendung ging es um das Thema „Aufruhr in Ägypten: Wird aus dem arabischen Frühling ein blutiger Herbst?“
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Wird der arabische Frühling die Unterordnung der arabischen Welt beenden?


Wird der arabische Frühling die Unterordnung der arabischen Welt beenden?

Der Historiker Eugene Rogan: Die Unterordnung der arabischen Welt unter die Regeln der auswärtigen Mächte könnte enden – durch den arabischen Frühling. Eine der Thesen des Buches lautet, dass sich die moderne Geschichte der Araber in den vergangenen fünf Jahrhunderten größtenteils nach den Regeln der dominanten Mächte der jeweiligen Zeit abspielte. Im Jahr 2011 haben wir erlebt, wie die Bürger in der arabischen Welt die Initiative ergriffen, ohne dass die großen Mächte beteiligt waren. Foto: Propyläen Verlag

Der renommierte amerikanische Historiker Eugene Rogan hat mit seinem vor einigen Monaten auf Deutsch erschienenen Buch „Die Araber“ ein neues Standardwerk zur Geschichte der arabischen Welt der vergangenen 500 Jahre geschrieben. Besonderes Augenmerk legt der Oxford-Historiker dabei auf die Dominanz ausländischer Mächte und drei Kräfte: den arabischen Nationalismus, das Öl und den politischen Islam. Mehr…

Neues arabisches Selbstbewusstsein

Für den US-Historiker Eugene Rogan, der zu den besten Kenner der arabischen Welten zweifelsohne zählt, bedeutet der historische Umbruch 2011 die Wiederkehr einer arabischen politischen Identität als maßgeblicher Faktor, wie man es seit dem Höhepunkt des arabischen Nationalismus nicht mehr gesehen hat.

Seiner Ansicht nach entwickelte sich in den letzten Jahren  ein neues arabisches Selbstbewusstsein: „Die Araber empfinden einen neuen Stolz, dass sie eine globale Bewegung anführen, die gegen verantwortungslose Regierungen und Ungleichheit protestiert“. (Mehr im Interview mit Eugene Rogan).

Literatur: Eugene Rogan: Die Araber. Eine Geschichte von Unterdrückung und Aufbruch. Propyläen Verlag 2012

Kommentar: Ägyptens nächster Präsident – Feigenblatt der Militärdiktatur


Kommentar: Ägyptens nächster Präsident – Feigenblatt der Militärdiktatur
Ägypten fest im Würgegriff der Militärs: Durch einen kalten Putsch hat der Oberste Militärrat die Macht an sich gerissen. Nun geht der Kampf um die Zukunft Ägypten in eine neue Runde. Sicher ist dass, die Generäle im Moment versuchen, ihre Grenzen auszuloten. Zumal was sich in Ägypten in den letzten 16 Monaten abspielte, war eine Aushandlungssache zwischen dem Militär-Establishment und dem Druck der Straße. (Foto: Muhammad Ghafari from Giza, Egypt; Wikemedia)

Für den demokratischen Wandel in Ägypten ist es nicht entscheidend, wer die Präsidentenwahl gewinnt. Denn beide Kandidaten werden keine nennenswerten präsidialen Machtbefugnisse haben, meint Loay Mudhoon

Auf den ersten Blick zeigt der erbitterte Kampf zwischen dem Vertreter des Mubarak-Regimes, Ahmed Schafik, und dem Kandidaten der Muslimbrüder, Mohammed Mursi, um das Präsidentenamt in Kairo die altbekannten Machtzentren in Ägypten, nämlich das Militär und die Islamisten.

Bei genauem Hinsehen lässt sich allerdings leicht feststellen, dass die Mehrheit der Ägypter die beiden Kandidaten nicht gewählt hat. Schließlich haben die Kandidaten der jungen Revolutionsbewegung in der ersten Runde der Präsidentenwahl mehr als die Hälfte der Stimmen auf sich vereinigen können. Ihre Zersplitterung brachte Schafik und Mursi in die Stichwahl.

Extreme Polarisierung am Nil

Aber nicht nur die fehlende Unterstützung der breiten Bevölkerung für Schafik und Mursi verunsichert die Menschen im größten arabischen Staat und lässt erheblichen Zweifel an der Legitimität und Repräsentativität des Wahlgangs aufkommen. Die Hinhaltetaktik der Obersten Wahlkommission, die die Bekanntgabe des Ergebnisses der Wahl auf unbestimmte Zeit verschoben hat, verschärft die Spannung zusätzlich und macht viele Ägypter wütend, insbesondere die Anhänger der Muslimbrüder.

Auch die Spannungen zwischen den verfeindeten Präsidentenlagern wachsen stündlich, zumal beide Kandidaten den Sieg für sich beanspruchen und die politische Auseinendersetzung mit großer Verbitterung und Unnachgiebigkeit öffentlich austragen.

Aber unabhängig davon, wer aus der Stichwahl um das Präsidentenamt als Sieger letztlich hervorgeht – entscheidend für den weiteren Verlauf des demokratischen Wandels und für die Machtverteilung im post-revolutionären Ägypten wird dies nicht sein. Selbst wenn die oberste Wahlkommission in den nächsten Tagen den wenig charismatischen Muslimbrüder Mohammed Mursi den Wahlsieg zusprechen sollte.

Zustand permanenter Rechtsunsicherheit

Denn in den vergangenen Wochen und Monaten ist klar geworden, dass der Oberste Militärrat nicht nur seine Privilegien in der Nach-Mubarak-Ära verteidigen möchte, sondern auch, dass er nicht im Ansatz daran denkt, die Macht an einen demokratisch legitimierten Volksvertreter abzugeben.

Eindrucksvoll wurde diese Einschätzung durch den letzten kalten Coup der Generäle bestätigt: Die Militärführung um den Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi hat kurz nach der Stichwahl mit Hilfe einer „Verfassungsergänzung“ bereits dafür gesorgt, dass Exekutive und Legislative komplett in ihrer Hand bleiben. Zuvor ließen sie das demokratisch gewählte Parlament auflösen. Zudem wird der nächste Präsident keine Befehlsgewalt über die Streitkräfte haben.

Durch ihre Strategie der organisierten Unsicherheit und ihren offensichtlichen Unwillen, die Grundbedürfnisse der Bevölkerung zu befriedigen und vor allem für ein Minimum an Sicherheit und öffentlicher Ordnung so sorgen, haben die Generäle die Menschen systematisch zermürbt. Sie haben das Land an den Rande des Chaos gebracht und versuchen mit allen Mitteln, die Tahrir-Revolutionäre dafür verantwortlich zu machen, um sie bei der erschöpften Bevölkerung zu diskreditieren.

Sicherlich bieten die jetzigen Wahlen die Möglichkeit, der Herrschaft der Generäle einen demokratischen Anstrich zu geben. Doch die Opfer der Revolution waren nicht vergebens, denn die Generäle sind schon jetzt mit der Verwaltung des riesigen Landes überfordert.

Es ist deshalb höchste Zeit für das Lager der Tahrir-Aktivisten, sich besser zu organisieren und als vertrauenswürdige Alternative zu den alten Machtzentren anzubieten.

© Loay Mudhoon 2012

http://www.dw.de/dw/article/0,,16042291,00.html

Mehr Beiträge zur Lage in Ägypten nach der Präsidentschaftswahl

Präsidentschaftswahlen in Ägypten: Ein Duell, das keiner wollte

Die Präsidentschaftswahlen in Ägypten gehen in die zweite Runde: Am 16. und 17. Juni haben die Ägypter die Qual der Wahl zwischen dem blass wirkenden und wenig charismatischen Islamisten Mohamed Mursi und Ahmed Shafik, einem offenkundigen Vertreter des alten Regimes. Ein Kommentar von Thomas Demmelhuber

Der Arabische Frühling: Bürger-Revolution, Kampf um die Würde und um Erlangung wahrer Unabhängigkeit


Der Arabische Frühling: Bürger-Revolution, Kampf um die Würde und um Erlangung wahrer Unabhängigkeit
Die Rückkehr der arabischen Völker nach einem halben Jahrhundert „interner Besatzung“ durch korrupte Eliten: Der wiederentdeckte Nationalstolz der arabischen Völker nährt auch die Erwartung, mit fremden Mächten wieder auf einer Basis von Gleichheit und gegenseitiger Achtung verhandeln zu können.

Die Rückkehr der arabischen Völker nach einem halben Jahrhundert „interner Besatzung“ durch korrupte Eliten: Der wiederentdeckte Nationalstolz der arabischen Völker nährt auch die Erwartung, mit fremden Mächten wieder auf einer Basis von Gleichheit und gegenseitiger Achtung verhandeln zu können.

Der Arabische Frühling zeigt überraschende Symmetrien mit der großen Reformbewegung der „Nahda“, meinte der französische Nahostwissenschaftler Jean-Pierre Filiu. Der großartige Jean-Pierre Filiu schreibt in der NZZ von 23.9.2012 über den arabischen Aufbruch, die zweite Unabhängigkeit der arabischen Völker:
„In allen Ländern trägt der demokratische Aufbruch auch den Charakter einer nationalen Befreiungsbewegung – denn Regime, die ihre Länder lediglich als Quell der Selbstbereicherung ausnützen, sind dem Volk nicht minder fremd als Kolonialherren.

Daher die Begeisterung, wenn sich die Armee auf die Seite des Volkes schlägt, daher die Meere von Fahnen, mit denen in Tunis, Kairo und Tripolis der Sturz des Despoten zelebriert wurde. Dieser wiederentdeckte Nationalstolz nährt auch die Erwartung, mit fremden Mächten wieder auf einer Basis von Gleichheit und gegenseitiger Achtung verhandeln zu können. Dies ist der eigentliche Knotenpunkt, der die erste und die zweite arabische Renaissance verbindet: die Hoffnung, die allzu lang aufgeschobene Unabhängigkeit endlich in Kraft zu setzen und zu leben.“

Mehr zum Arabischen Frühling

Politische Perspektiven nach dem Arabischen Frühling

Am Scheideweg

Nach Ansicht des renommierten libanesischen Autors Elias Khoury stehen die arabischen Gesellschaften nach dem Sturz der alten Regimes vor einem nachhaltigen demokratischen Umbruch oder einer Rückkehr der Diktaturen unter neuem Namen. weiter »

 

 

Der Arabische Frühling und die Nato-Intervention: Was geschah eigentlich in Libyen?


Der Arabische Frühling und die Nato-Intervention: Was geschah eigentlich in Libyen?
Der Gerichtsplatz in Bengasi diente als zentraler Versammlungs- und Kundgebungsort. Die Wände sind mit Fotos Gefallener behängt, an denen ständig Trauernde vorbei ziehen - April 2011.

Der Gerichtsplatz in Bengasi diente als zentraler Versammlungs- und Kundgebungsort. Die Wände sind mit Fotos Gefallener behängt, an denen ständig Trauernde vorbei ziehen - April 2011.

Das arabische Erwachen und die Militärintervention der Schutzmächte

In der Zeitschrift „Lettre International Nr. 95“ fragt der britische Nahost-Experte Hugh Roberts: Was geschah in Libyen? Er entwirft eine andere Lesart der libyschen Rebellion als die von der NATO präsentierte. Es handelte sich um einen Bürgerkrieg, nicht um den Kampf einer einzigen Familie gegen das gesamte Volk. Seiner Überzeugung nach war der Regimewechsel von Beginn an Ziel der Interventionsmächte, die frühzeitig auf eine Destabilisierung des Regimes hingearbeitet haben.
Legenden, erfundene Geschichten und Dämonisierungen wurden in die Weltöffentlichkeit eingespeist. Gaddafi, gestern noch wohlgelittener Freund und Partner von Staatslenkern wie Berlusconi oder Sarkozy, mutierte über Nacht zum geisteskranken Tyrannen, aus dem Szenario eines innerlibyschen Bürgerkriegs unterschiedlicher Interessengruppen wurde das Zerr- und Gruselbild eines Monsters, das gegen sein „ganzes Volk“ kämpft.

In seiner erhellenden Analyse über politische Manipulation und die Regie der Weltpolitik schreibt Hugh Roberts:

„Diese Überlegungen werfen heikle Fragen auf. Wenn der Grund, der von diesen Botschaftern und anderen Angehörigen des Regimes für ihr Überlaufen am 21. Februar genannt wurde, falsch war – was brachte sie dann wirklich dazu, überzulaufen und die fraglichen Erklärungen abzugeben? Worauf wollte al-Dschazira hinaus? Und was führte Hague im Schilde? Eine seriöse Geschichtsschreibung dieser Angelegenheit wird, wenn weitere Belege ans Licht kommen, Antworten auf diese Fragen suchen. Aber ich finde es nicht schwer zu verstehen, daß Gaddafi und sein Sohn plötzlich zu einer derart heftigen Rhetorik Zuflucht nahmen. Sie glaubten offensichtlich, daß sie es ganz und gar nicht mit „unschuldigen Demonstranten“ zu tun hatten, wie die Kanadier meinten, sondern daß sie durch Kräfte destabilisiert würden, die einem Plan mit internationalen Verzweigungen folgten. Es ist möglich, daß sie falsch lagen und daß alles spontan und zufällig und ein chaotisches Durcheinander war; ich behaupte nicht, das mit Sicherheit zu wissen. Aber es hatte bereits zuvor Pläne gegeben, ihr Regime zu destabilisieren, und sie hatten Gründe zu der Annahme, daß sie erneut destabilisiert werden sollten. Plausibler wurde die Destabilisierungsmaßnahme insbesondere durch die frisierte Berichterstattung in den britischen Medien, namentlich das Beharren darauf, daß das Regime nur friedlichen Demonstranten gegenüberstehe, als es sich neben libyschen Durchschnittsbürgern, die sich gewaltlos Gehör zu verschaffen suchten, ebenso politisch motivierter wie auch blindwütiger Gewalt gegenüber sah (zum Beispiel dem Lynchmord an fünfzig angeblichen Söldnern in al-Baida am 19. Februar). Und aufgrund der Belege, die ich bislang sammeln konnte, neige ich zu der Annahme, daß Destabilisierung genau das war, was stattfand“.

Den vollständigen Beitrag können Sie hier lesen.

 

 

Ein Jahr nach dem Arabischen Frühling: Arabischer Frühling wird nicht in einem islamistischer Herbst enden


Ein Jahr nach dem Arabischen Frühling: Arabischer Frühling wird nicht in einem islamistischer Herbst enden

Im Epizentrum der Arabellion: Der Arabische Frühling zeigt überraschende Symmetrien mit der großen Reformbewegung der „Nahda“, meinten nicht wenige Kenner der arabischen Welt wie der französische Nahostwissenschaftler Jean-Pierre Filiu.

Der Arabische Frühling wird nicht in einem islamistisch dominierten und deshalb grauen Herbst enden, meint DW-Islamexperte Loay Mudhoon.

Ist der Traum der neuen, arabischen Demokratie-Bewegungen von Freiheit und Rechtsstaatlichkeit, vom Leben in Würde durch die Ergebnisse der ersten wirklich freien Wahlen in Tunesien und Ägypten ein Jahr nach der „Arabellion“ nun ausgeträumt?

Spätestens seit dem überraschenden Wahlerfolg der radikal-islamistischen Salafisten in der ersten Runde der Parlamentswahlen in Ägypten könnte man diese Fragen mit „Ja“ beantworten. Doch das wäre voreilig in dieser historischen Umbruchsituation – und zu einfach, vor allem angesichts der unübersichtlichen politischen Gemengelage in den postrevolutionären, arabischen Staaten.

In der Tat ist das Islam-Verständnis der ultra-konservativen Salafisten in Ägypten zweifelsohne zu engstirnig, um an einem demokratischen Politikprozess konstruktiv teilzunehmen. Doch im Gegensatz zum Erfolg der politisch unerfahrenen Salafisten waren die Wahlsiege der Partei „Freiheit und Gerechtigkeit“ der Muslimbruderschaft zu erwarten. Ebenso wie die Wahlsiege der Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (PJD) in Marokko und zuvor der Ennahda-Bewegung in Tunesien.

Diese heterogenen Bewegungen sind Volks-Parteien, die dank ihrer Netze an Moscheen, Kindergärten und anderen Wohlfahrtseinrichtungen in der Bevölkerung tief verwurzelt sind. Sie sind zudem gut organisiert und gelten im Gegensatz zu den etablierten Machteliten als nicht korrupt.

Neben diesem „Heimvorteil“ gelang es den arabischen MainstreamIslamisten in dem kurzen Wahlkampf, von den tatsächlichen sozio-ökonomischen Problemen und Herausforderungen abzulenken, in dem sie ihren populistischen Identitätsdiskurs in den Mittelpunkt stellten.

Über Fragen wie „Wer sind wir?“ wurde vor den Wahlen so heftig diskutiert, als stünden arabische Gesellschaften vor einer feindlichen Übernahme! Auch deshalb konnten sie ihre Anhänger emotional besser mobilisieren als die neu entstandenen liberalen und zivilen Jugend-Parteien, die sich spät in Wahlkampf eingestiegen sind; einige dieser Jugendparteien haben sich zudem wenig engagiert

Dennoch: Panik oder gar Hysterie sind fehl am Platz in dieser historischen Situation, schließlich werden die islamistischen Wahlsieger in keinem arabischen Land die Spielregeln der zu etablierenden Demokratien alleine bestimmen können. In Tunesien muss Ennahda mit anderen säkularen Parteien koalieren. In Ägypten müssen sich die Muslimbrüder eindeutig von den Steinzeit-Salafisten distanzieren, wenn sie sich als glaubwürdige und berechenbare Kraft des Wandels legitimieren und der Konfrontation mit der Revolutionsbewegung sowie mit dem Militärrat aus dem Weg gehen wollen.

Und noch wichtiger: Die Erfahrung lehrt, dass in einer Demokratie kein Weg an der Einbindung großer gesellschaftlicher Strömungen ins politische System vorbeigeht. Denn erst dadurch lernen diese fundamental-oppositionellen Kräfte, was es konkret heißt, politische Verantwortung zu übernehmen. Sie üben die Kunst der schmerzhaften Kompromisse und entwickeln erst dadurch die Kompetenz, Probleme zu lösen. Kurzum: Sie werden durch die normative Kraft des Faktischen zwangsläufig pragmatischer. (Darin sind sich fast alle seriösen arabischen Beobachter und Meinungsmacher einig).

Die arabischen Neo-Islamisten stehen im Augenblick daher vor der Wahl: Entweder sie passen sich der veränderten Umgebung an, oder sie halten weiter an den ihren überkommenen ideologischen Konzepten fest.

Sollten sie sich für die zweite Option entscheiden, werden sie mit Sicherheit an den großen Herausforderungen der Gegenwart, vor allem am Aufbau funktionierender Institutionen und an der Ankurbelung der Wirtschaft epochal scheitern.

Autor: Loay Mudhoon

Dieser Kommentar wurde zuerst im Rahmen des DW-Spezials „ Die unvollendete Revolution am 17.12.2011 veröffentlicht.

© DW/ Loay Mudhoon 2011

Mehr zum Arabischen Frühling

Dossier der Bundezentrale für politische Bildung: Arabischer Frühling

Was im Dezember 2010 in Tunesien begann, breitete sich bald wie ein Flächenbrand über viele Länder Nordafrikas und des Nahen Ostens aus. Proteste, Aufstände und Rebellionen erschütterten die autokratischen Systeme der Region. In Ägypten und Tunesien jagten die Aufständischen die Herrscher aus dem Amt. Libyen verfiel in einen Bürgerkrieg, dessen Verlauf das Eingreifen der NATO entscheidend beeinflusste. Syrien befindet sich in einer Patt-Situation, die verlustreichen Auseinandersetzungen zwischen Regierung und Opposition gehen weiter.

In anderen Ländern wie Marokko und Jordanien haben die Regime auf die sozialen Proteste reagiert und so ihren status quo zumindest kurzfristig stabilisiert. Der Arabische Frühling ist eine historische Zäsur in der Region – mit weitreichenden Folgen in politischer, wirtschaftlicher und geostrategischer Hinsicht. Mehrlesen…

Chronologie des Arabischen Frühlings

Die systematische länderspezifische Chronologie ermöglicht einen Überblick über die entscheidenden Entwicklungen in den von den Protesten und Umbrüchen betroffenen arabischen Staaten, mit Schwerpunkt auf das erste Halbjahr 2011. Die Chronologie enthält eine Auswahl derjenigen arabischen Staaten, in denen sich in der ersten Jahreshälfte 2011 (bzw. für Tunesien seit Mitte Dezember 2010) relevante Proteste abgespielt haben bzw. in denen es zu Umbrüchen gekommen ist: Ägypten, Bahrain, Jemen, Jordanien, Kuwait, Libyen, Marokko, Oman, Palästinensische Gebiete, Saudi-Arabien, Syrien, Tunesien. Mehr lesen…

-Ein Jahr nach dem Arabischen Frühling: Die unvollendete Revolution
Der arabische Frühling hat das Ende der republikanischen Diktaturen eingeleitet. Von stabilen Demokratien, pluralistischen Gesellschaften und wirtschaftlichem Aufschwung sind die arabischen Staaten noch weit entfernt.  Mehr…»

– Dossier: „Arabischer Frühling“ vor dem Scheitern?

Zuerst hatte die Opposition in Tunesien den autokratisch regierenden Präsidenten Ben Ali aus dem Amt gejagt. Seitdem erfasste der „arabische Frühling“ Land um Land in der Region. Ägyptens Staatschef Mubarak gab dem Druck der Bürger nach und trat ebenfalls ab, andere – wie Gaddafi in Libyen oder Assad in Syrien – gehen mit brutaler Gewalt gegen die eigene Bevölkerung vor. Doch auch in Ägypten und Tunesien ist die Lage heute alles andere als stabil. Mehr…

Qantara-Dossier : Arabischer Frühling

Die Wut der Tunesier und Ägypter gegen ihre autokratischen Herrscher hat eine beispiellose Revolte in den arabischen Staaten ausgelöst. In unserem Dossier informieren wir über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe der Massenproteste. Mehr lesen…

Das Jahr der „Arabellion“

– Türkei und der arabische Frühling: Arabischer Frühling, türkischer Herbst?

Die Opposition in Syrien schaut nach Ankara – aber eine militärische Intervention durch den Nachbarn hätte fatale Folgen. Mehr….

42. Akademie der Künste-Gespräch in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut mit Loay Mudhoon


42. Akademie der Künste-Gespräch in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut mit Loay Mudhoon

Der arabische Aufbruch:

Alfred Eichhorn im Gespräch mit Stephanie Doetzer, Loay Mudhoon, Sarah Rifky, Oliver Schlumberger, Viola Shafik und Klaus Staeck

Donnerstag, 29. September 2011, 19 Uhr
Akademie der Künste, Plenarsaal, Pariser Platz 4, 10117 Berlin
Eintritt € 5/3, bis 18 Jahre Eintritt frei
Pressekarten unter presse@adk.de, Tel. 030 200 57-1514

Die Revolutionen in Ägypten und Tunesien waren der Auftakt für eine politische Neuordnung der gesamten Region. Mehrere Monate nach den ersten Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz scheint die Freiheitsbewegung gefährdet und die politische Zukunft ungewiss. Viele der alten Eliten sitzen nach wie vor in entscheidenden Positionen, die Rolle des Militärs in Ägypten ist ungeklärt, die Stabilisierung der Demokratiebewegung lange nicht abgeschlossen. Wie ausgeprägt sind zivilgesellschaftliche Strukturen in der Region? Was kann kulturelle Arbeit zur Lösung von Konflikten beitragen? Wie ist die Situation von Künstlern und Kulturschaffenden? Wie frei können sie arbeiten? Was sind die Voraussetzungen für eine unabhängige Medienlandschaft? Welche Bedeutung hat der Islam für den Demokratisierungsprozess? Welchen Einfluss nimmt der Westen? Kann der demokratische Aufbruch in der arabischen Welt noch scheitern?

Gemeinsam laden das Goethe-Institut und die Akademie der Künste Kulturschaffende, Medienvertreter und Wissenschaftler aus Deutschland, Ägypten und Katar dazu ein, die aktuellen Demokratisierungsprozesse und die Rolle, die Kulturarbeit dabei spielen kann, vor einer interessierten Öffentlichkeit zu reflektieren.
Der Journalist Alfred Eichhorn moderiert das Gespräch.

Es diskutieren:

Stephanie Doetzer, bis 2011 im arabischen TV-Sender Al-Dschasira, jetzt Journalistin in Doha/Katar
Loay Mudhoon, Nahostexperte der Deutschen Welle, Lehrbeauftragter am Institut für Internationale Politik und Außenpolitik sowie am Orientalischen Seminar der Universität zu Köln
Sarah Rifky, war Kuratorin in der Townhouse Gallery of Contemporary Art in Kairo, Gründungsmitglied des Cairo International Resource Center for Arts
Oliver Schlumberger, Professor für Politik des Vorderen Orients und Vergleichende Politikwissenschaft an der Universität Tübingen
Viola Shafik, Regisseurin, Filmwissenschaftlerin und –produzentin, lebt in Kairo und Hamburg, Initiatorin der Medienkampagne „Hakkim `Aqlak“ („Make up your Mind!“) zur Demokratisierung der ägyptischen Gesellschaft
Klaus Staeck, Präsident der Akademie der Künste
Außerdem: Live-Gespräch mit Jörg Armbruster, Leiter des ARD-Studios in Kairo.

Die arabische Revolution: Von der Diktatur zur Demokratie?


Die arabische Revolution: Von der Diktatur zur Demokratie?

Die aktuellen April-„Blätter für deutsche und internationale Politik“ widmen sich dem Umbruch in der arabischen Welt und dem Kampf arabischer Bürger um Selbstbestimmung, Freiheit, Würde und politische Partizipation.

Die arabische Revolution: Von der Diktatur zur Demokratie? Die arabische Welt steht am Scheideweg: In den nächsten Monaten wird  sich entscheiden, ob die revolutionären Umwälzungen erfolgreich  weitergehen oder die Diktatoren doch die Oberhand behalten.

Der  Politikwissenschaftler Jochen Hippler richtet den Blick auf die Entwicklung der gesamten Großregion; er konstatiert das Ende der Erstarrung im Nahen und Mittleren Osten:

„Spätestens seit die Demonstranten in Tunesien den langjährigen Diktator Ben Ali zum Rücktritt zwangen, haben sämtliche Herrscher des Nahen und Mittleren Ostens Grund zur Beunruhigung. Die internationale Öffentlichkeit hat ihre Aufmerksamkeit inzwischen von Tunesien nach Ägypten und Libyen verschoben„

Seine Kollegin Khadija Katja Wöhler-Khalfallah untersucht die Gefahr der Islamisierung am Beispiel des neuen Ägyptens und der Journalist Heiko Flottau beleuchtet die Konsequenzen der arabischen Revolutionen für den Nahen Osten und insbesondere für den Staat Israel in der neuen Umgebung:

„In Arabien fällt ein diktatorisches arabisches Regime nach dem anderen, und was machen die westlichen Politiker und Medien? Sie verfallen umgehend in den üblichen Reflex: Was, so fragen sie, bedeutet die arabische Revolution für die Sicherheit und Stellung Israels in der Region?“.

=> Jetzt online lesen:
http://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2011/april/guttenberg-ff.-aus-farce-wird-ernst

»BLÄTTER FÜR DEUTSCHE UND INTERNATIONALE POLITIK« | WWW.BLAETTER.DE

Mehr zu der arabischen Bürgerrevolution

Interview mit Arnold Hottinger
„Es gibt eine neue, nicht-ideologische politische Kraft“
Die Volksaufstände in der arabischen Welt haben die bisherige politische Ordnung der autoritär regierten Staaten zum Teil komplett auf den Kopf gestellt. Im Gespräch mit Mona Sarkis erläutert der Nahostkenner Arnold Hottinger die Auswirkungen und Perspektiven der Proteste in der Region.

Libyens Intellektuelle unter der Diktatur Gaddafis
Unterdrückung in der Heimat – Blüte im Exil
Muammar al-Gaddafi glaubte, mit den in seinem „Grünen Buch“ entwickelten politischen und gesellschaftlichen Theorien einen intellektuellen Markstein gesetzt zu haben. Bildung, Kultur und Geistesleben in Libyen hatten sich weitgehend auf den Tanz um dieses Goldene Kalb zu beschränken. Von Fakhri Saleh

Qantara.de-Dossier
Arabischer Frühling
Die Wut der Tunesier und Ägypter gegen ihre autokratischen Herrscher hat eine beispiellose Revolte in den arabischen Staaten ausgelöst. In unserem Dossier informieren wir über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe der Massenproteste.

Die Bürgerrevolution im Nahen Osten

Kampf um Freiheit, Würde und Gerechtigkeit

Die Massenproteste in Tunis und Kairo haben die alten Regime in Tunesien und Ägypten hinweggefegt. Die Demokratiebewegung in Tunesien und Ägypten hat eine politische Wende herbeigeführt, die das Tor zu einer demokratischen Entwicklung in der Region weit aufgestoßen hat. Aus dem Funken ist ein Lauffeuer geworden, in Algerien, Marokko, Jemen, Bahrain, Jordanien und Libyen gehen Bürgerinnen und Bürger auf die Straße und fordern die Machthaber heraus. Die Heinrich-Böll-Stiftung begleitet die aktuellen Entwicklungen mit Analysen, Kommentaren und Interviews in diesem Dossier.