Islam

Berlins neue Ibn-Rushd-Goethe-Moschee: Der liberale Islam ist eine Schimäre


Berlins neue Ibn-Rushd-Goethe-Moschee: Der liberale Islam ist eine Schimäre

Die ablehnenden Reaktionen auf die Eröffnung einer „liberalen Moschee“ in Berlin sind keine wirkliche Überraschung. Sie taugen jedoch nicht als Beweis für die generelle Reformunfähigkeit des Islam, meint Loay Mudhoon.
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Muslime gegen den Terror in Köln: Klare Positionierung statt Distanzierung


Muslime gegen den Terror in Köln: Klare Positionierung statt Distanzierung

In Köln demonstrierten weniger Muslime gegen den islamistischen Terrorismus als erwartet. Dennoch sendet dieser Friedensmarsch ein starkes Signal für den Zusammenhalt in der Gesellschaft, meint Loay Mudhoon.
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Trump und der Nahe Osten: Die Verführung der Despoten


Trump und der Nahe Osten: Die Verführung der Despoten

Auch im Nahen Osten wird die Trump-Wahl als eine Zäsur gesehen. Viele befürchten eine Rückkehr zu einfachen Denkmustern, die seine Präsidentschaft zum Albtraum für die Region werden lässt, schreibt Nahost-Experte Loay Mudhoon in seinem Kommentar.
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Saudi-Arabien ist zum Kampf gegen den IS verdammt


Saudi-Arabien ist zum Kampf gegen den IS verdammt

Nach der Anschlagsserie in Saudi-Arabien hat das Königshaus keine andere Wahl, als das Pseudokalifat des IS mit allen Mitteln zu bekämpfen. Die Monarchie muss jetzt tiefgreifende Reformen durchsetzen, meint Loay Mudhoon.
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Reformislam: Das schwierige Handwerk islamischer Reformer


Reformislam: Das schwierige Handwerk islamischer Reformer

Nach jedem islamistischen Terrorakt ertönt der Ruf nach Reformation des Islam. Doch Muslime brauchen keinen Martin Luther. Gefordert ist die Versöhnung des Islam mit dem Verfassungsstaat, schreibt Loay Mudhoon in seinem Kommentar.
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Kommenatar zum Manifest „Muslimische Demokraten der Welt, vereint Euch!“ – Für Islam und Demokratie


Kommenatar zum Manifest „Muslimische Demokraten der Welt, vereint Euch!“ – Für Islam und Demokratie

Die Versäumnisse muslimischer Gesellschaften benennen und einen Islam fürs 21. Jahrhundert entwickeln: Das fordern muslimische Intellektuelle. Europa sollte das unbedingt fördern, meint Loay Mudhoon.

In einem bemerkenswert klar formulierten Manifest haben vier renommierte muslimische Intellektuelle an alle politischen und religiösen Autoritäten in den islamisch geprägten Ländern und in Europa appelliert, sich unmissverständlich für einen demokratischen Islam einzusetzen. Zu dieser Eindeutigkeit gehört auch, dass sie konkrete Schritte vorschlagen: Eine Konferenz in Frankreich Anfang 2016, bei der muslimische Persönlichkeiten „die Umrisse eines fortschrittlichen Islam skizzieren“, der „fest im 21. Jahrhundert verankert“ sein soll.
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Kommentar: Ein genuin europäischer Islam ist alternativlos


Kommentar: Ein genuin europäischer Islam ist alternativlos

Seit dem Attentat von Paris wird eine Debatte um die vermeintliche Gewaltaffinität des Islam geführt. Das verstellt den Blick für die Erfolge der „Einbürgerung“ des Islam in Deutschland, meint Loay Mudhoon.

Verständlicherweise werfen die perfiden Anschläge vom Paris altbekannte, grundsätzliche Fragen auf: Ist der Islam im Kern eine menschenverachtende und gewaltverherrlichende Religion? Lässt sich aus den zentralen Schriften dieser Weltreligion eine Legitimationsformel für die Gewaltorgien von enthemmten Dschihadisten ableiten? Und noch wichtiger: Ist die Integration der Muslime in Deutschland gescheitert?

Alle diese Fragen sind gewiss berechtigt. Dennoch gehen sie am Kern der Problematik vorbei, nämlich an der Frage nach der Vereinbarkeit der islamischen Religion mit den Errungenschaften der Moderne und den Werten der freiheitlich-demokratisch verfassten Gesellschaften.
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PM: Goethe-Institut und Robert Bosch Stiftung unterstützen engagierte Muslime in deutschen Städten


Die meisten muslimischen Gemeinden beraten ihre Mitglieder weit über religiöse Aspekte hinaus: Sie helfen beim Umgang mit Behörden oder bei schulischen Fragen der Kinder. Um sie bei dieser Aufgabe zu unterstützen, werden rund 100 engagierte Mitglieder muslimischer Gemeinden sprachlich und inhaltlich fortgebildet. In zunächst vier deutschen Großstädten bieten Goethe-Institut und Robert Bosch Stiftung ein mehrjähriges Fortbildungsangebot an. Das Projekt startet am 23. Mai in Hamm. Hamburg, Essen und Mannheim folgen.

Mit dem Projekt „Muslimische Gemeinden als kommunale Akteure“ stärkt das Goethe-Institut in Zusammenarbeit mit der Robert Bosch Stiftung den Austausch zwischen muslimischen Gemeinden und kommunalen Organisationen und Verbänden. Ehrenamtliche haben nun die Chance, sich über mehrere Jahre fortbilden zu lassen, damit sie den Mitgliedern ihrer Gemeinde besser zur Seite stehen können: beim Ausfüllen von Anträgen, beim Umgang mit Behörden oder als Engagierte in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch der direkte Kontakt mit Verantwortlichen in Behörden und Ämtern. Die Fortbildung richtet sich an engagierte Vertreter muslimischer Gemeinden, die dort eine vertrauensvolle und meinungsbildende Rolle spielen.

„Für ein fruchtbares Zusammenleben ist das gegenseitige Verständnis zwischen muslimischen Gemeinden und kommunalen oder kirchlichen Organisationen wichtig. Dafür braucht es natürlich sprachliche und interkulturelle Kompetenzen – es hilft aber auch, wenn beide Seiten feste Ansprechpartner haben, an die sie sich vertrauensvoll wenden können“, betont Angela Kaya, Regionalleiterin der Goethe-Institute in Deutschland.

„Engagierte Muslime sind für unsere Städte unglaublich wichtig. Von vielen unbemerkt, leisten sie in ihren Gemeinden großartige Arbeit. Damit sie ihre Vermittlerrolle in unserer Gesellschaft noch besser ausfüllen können, wollen wir das Netzwerk zwischen muslimischen Gemeinden und anderen kommunalen Akteuren stärken“, unterstreicht Olaf Hahn, Bereichsdirektor bei der Robert Bosch Stiftung.

Die Fortbildung

Neben einem umfangreichen Sprachkursangebot, das insgesamt 25.000 Unterrichtseinheiten umfasst, beinhaltet die Fortbildung eine zehntätige Seminarreihe, die sich kommunalen Schwerpunktthemen widmet. Dabei steht der Praxisbezug im Vordergrund: Die Teilnehmer sind eingeladen, die Themen mitzubestimmen und zu gestalten, je nach dem individuellen Bedarf, der in den verschiedenen muslimischen Gemeinden in Deutschland besteht. Auch persönliche Gespräche und der direkte Kontakt mit Verantwortlichen und Entscheidungsträgern in Behörden und Einrichtungen spielen eine wichtige Rolle.

Eine Konferenz in München im Sommer 2014 bietet allen Teilnehmer der verschiedenen Städte zudem die Möglichkeit Erfahrung auszutauschen und Kontakte über die eigene Gemeinde hinaus zu knüpfen.

Das Goethe-Institut und die Robert Bosch Stiftung arbeiten bereits seit vielen Jahren in zahlreichen Projekten im In- und Ausland erfolgreich zusammen. Beispielsweise leisten die „Robert Bosch Kulturmanager“ einen wichtigen Beitrag der Völkerverständigung zwischen Deutschland und Ländern in Mittel- und Osteuropa sowie der arabischen Welt. Enge Kooperation bestehen aber auch bei Schüleraustausch-Projekten oder Übersetzerpreisen. Auch zum Themenfeld „Islam in Deutschland“ haben Goethe-Institut und Robert Bosch Stiftung bereits in der Vergangenheit erfolgreich zusammengearbeitet. Unter anderem haben sie von 2009 bis 2011 gemeinsam Sprachkurse für Imame in Baden-Württemberg durchgeführt. Die fachliche Fortbildung von religiösem Personal hat das Goethe-Institut im bundesgeförderten Projekt „Imame für Integration“ von 2009 bis 2012 bereits erfolgreich praktiziert.

Weitere Informationen:

www.goethe.de/maka

www.bosch-stiftung.de

Kommentar: Das neue Beschneidungsgesetz wird die Debatte nicht beenden


Die Bundesregierung hat eine pragmatische Gesetzesvorlage zur Beschneidung von Jungen verabschiedet. Die Debatte über die über die Notwendigkeit und die Legitimität der rituellen Beschneidung von Jungen wird dies jedoch nicht beenden, meint Loay Mudhoon.

So schnell hat die Bundesregierung in dieser Legislaturperiode selten gehandelt: Knapp drei Monate nach dem Urteil des Kölner Landgerichts gegen die Beschneidung von Jungen hierzulande hat das Kabinett eine neue gesetzliche Regelung für medizinisch nicht notwendige Beschneidungen auf den Weg gebracht.

Nach der neuen Gesetzesvorlage bleibt die Beschneidung von Jungen straffrei, sofern die Eltern ihre Zustimmung dazu geben und der Eingriff nach „den Regeln der ärztlichen Kunst“ erfolgt. Zudem ist bei der neuen Gesetzesformulierung besonders wichtig, dass das Recht auf Beschneidung des Sohnes Teil des elterlichen Sorgerechts werden soll. Damit wäre die Beschneidung rechtlich getrennt von der strafbaren Körperverletzung. Außerdem wird der Kriminalisierung von Juden und Muslimen dadurch ein deutlicher Riegel vorgeschoben.

Eine notwenige und pragmatische Regelung

Aber es geht bei der Beschneidungsregelung nicht primär um formaljuristische Fragen. Vielmehr geht es um einen Wertekonflikt in einer pluralistisch verfassten Gesellschaft – ein Konflikt zwischen den säkularen Normen des demokratischen Rechtstaats und den Geboten und Riten seiner verschiedenen religiösen Gemeinschaften. Dass die Lösung solcher Konflikte ausgeprägten Sinn für Sensibilität und Realismus benötigt, das zeigte die Debatte über die Notwendigkeit der Beschneidung eindruckvoll.

Denn dieser Wertekonflikt führte in den vergangenen Monaten zu einer kontroversen öffentlichen Diskussion, die aus dem Ruder zu geraten drohte. In dieser Debatte wurden teilweise alte und hässliche Vorurteile über Juden und Muslime wiederbelebt. Symptomatisch für die Schieflage der Debatte war, dass jede argumentative Bezugsnahme auf das Religiöse als irrational abgetan wurde. Ein weit verbreiteter, religiöser Analphabetismus in der Mehrheitsgesellschaft wurde sichtbar.

Beschneidungen dürfen nicht in die Illegalität abgedrängt werden

Die hiesige Debatte über die Beschneidung von Jungen schlug auch hohe Wellen, weil plötzlich die Frage im Raum stand, ob jüdisches und muslimisches Leben hierzulande möglich und erwünscht ist. Auch deshalb musste die Bundesregierung schnell handeln und Rechtssicherheit schaffen.

Dennoch: So vernünftig und ausgesprochen pragmatisch die neue Beschneidungsregelung sein mag, die Debatte über die Notwendigkeit und Legitimität der rituellen Beschneidung wird sie nicht beenden können. Aber immerhin: Eines wird das gesetzlich garantierte Recht auf Beschneidung gewährleisten: Dass Beschneidungen aus religiösen Gründen nicht in die Illegalität abgedrängt werden. Denn das wäre unverantwortlich und nicht Im Interesse des Kindes.

© Deutsche Welle 2001

Dieser Beitrag wurde zuerst auf dw.de veröffentlicht.

Mehr zur Debatte über Beschneidung in Deutschland: Ein Rechenfehler

Wie in der Islamkritik bricht in der Beschneidungsdebatte ein rabiat religionsfeindlicher Zeitgeist durch. Aber das Grundgesetz macht den Menschen nicht neu, sondern findet ihn vor, wie er ist. Von Patrick Bahners. Mehr

Für Juden und Muslime ist die Beschneidung männlicher Kinder mehr als ein frommer Brauch. Ein deutsches Gericht hat den chirurgischen Eingriff aus religiösen Gründen nun erstmals als strafbare Handlung gewertet. Das Kölner Urteil ist Ausdruck unserer säkularen Gesellschaft. Manchmal aber ist es überhaupt nicht gut, wenn sich Richter über Religionen stellen.

Nachdem das Landgericht Köln religiöse Beschneidung für strafbar erklärt hat, muss sich der Staat fragen, wie ernst er das Recht auf Religionsfreiheit noch nimmt, meint Rolf Schieder, Professor für praktische Theologie und Religionspädagogik der Berliner Humboldt-Universität.

Kommentar: Die deutsche Islamkonferenz könnte scheitern


Kommentar: Die deutsche Islamkonferenz könnte scheitern

In der gegenwärtigen Konstellation verkommt die deutsche Islamkonferenz zur Farce: „Fast sieben Jahre nach ihrer Einrichtung gilt sie als beschädigt. Sie verfolgt keine konkreten Ziele mehr, leidet durch das Fehlen von wichtigen Persönlichkeiten unter erheblichen Legitimitätsproblemen. Auch ein roter Faden ist nicht erkennbar – von einer staatspolitischen Vision, wie Ex-Innenminister Schäuble sie 2006 formulierte, ganz zu schweigen. Will man die Konferenz doch noch retten, muss man sie auf neue Grundlage stellen. Vor allem muss man sie konzeptionell und personell erneuert werden“.

So wie sie ist, kann sie nicht bleiben. Die Deutsche Islamkonferenz (DIK) muss auf neue Grundlage gestellt und – vor allem konzeptionell und personell erneuert werden. Denn in der gegenwärtigen Konstellation verkommt sie zur Farce, meint Loay Mudhoon.

Keine Frage, die deutsche Islamkonferenz war ein historischer Wendepunkt im Verhältnis des deutschen Staates zu seinen muslimischen Bürgern.Denn der Staat redete endlich mit Muslimen und nicht mehr nur über sie. Und es ist unbestreitbar, dass dieses staatlich organisierte Forum vieles zum Positiven verändert hat und sogar großes Echo im europäischen Ausland fand: Dieser Prozess des offenen Dialogs zwischen staatlichen Organen und deutschen Vertretern des Islam hat in den vergangenen fünf Jahren die gegenseitige Wahrnehmung und Zusammenarbeit auf neue Grundlagen stellen können.

Außerdem wissen wir heute, auch dank der deutschen Islamkonferenz, viel mehr über den Islam und die muslimischen Realitäten hierzulande; erstmals liegen relativ belastbare und bundesweit vergleichbare Daten zu muslimischen Lebenswelten und islamischen Gemeinden in Deutschland vor.

Islamkonferenz als staatspolitische Aufgabe

Doch die deutsche Islamkonferenz war vor allem auch eine Herzensangelegenheit seines Initiators, des damaligen Bundesinnenministers Wolfgang Schäuble, der diesem Forum staatspolitische Bedeutung beigemessen hat.

Denn Schäuble wollte „französische Verhältnisse“, die sporadischen Eruptionen von meist jugendlicher Gewalt in den trostlosen Banlieus, in Deutschland unbedingt vermeiden und durch konsequente Einbindung der deutschen Muslime nicht nur die „Einbürgerung des Islam“ vorantreiben, sondern offensichtliche Versäumnisse der Integrationspolitik in den letzten Jahrzehnten wettmachen. Und ihm gelang das Kunststück, nämlich das Vertrauen fast aller muslimischen Teilnehmer und Vertreter zu gewinnen, weil er offen, intellektuell versiert und besonnen als Moderator auch zwischen divergierenden Positionen der Muslime fungieren konnte.

Islamkonferenz droht zu scheitern

Davon scheint jedoch sein aktueller Nachfolger Hans-Peter Friedrich meilenweit entfernt zu sein. Mit seinem mißverständlichen Satz, „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“, sorgte der Innenminister schon zu Beginn seiner Amtszeit für Irritationen, Empörung und Entfremdung unter den deutschen Muslimen. Dadurch dürfte er das hart erarbeitete Vertrauen verspielt haben.

Zudem verhielt er sich ungeschickt, als er den Muslimen eine Sicherheitspartnerschaft und einen Präventionsgipfel vorgeschlagen hatte, um extremistischen Tendenzen entgegenzuwirken. Denn er hätte wissen müssen, dass diese unzulässige Vermischung zwischen Sicherheitsfragen und konkreten Integrationsproblemen den Muslimen ein Dorn im Auge war.

Fast sieben Jahre nach ihrer Einrichtung gilt die deutsche Islamkonferenz als beschädigt. Sie verfolgt keine konkreten Ziele mehr, leidet durch das Fehlen von wichtigen Verbänden und Persönlichkeiten unter erheblichen Legitimitätsproblemen. Auch ein roter Faden ist nicht erkennbar – von einer staatspolitischen Vision, wie Schäuble sie 2006 formulierte, ganz zu schweigen. Will man die Konferenz doch noch retten, muss man sie auf neue Grundlage stellen. Vor allem muss man sie konzeptionell und personell erneuert werden. Denn in der gegenwärtigen Konstellation verkommt sie zur Farce.

© Loay Mudhoon 2012

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Kommentar: Gauck – Bundespräsident auch der deutschen Muslime?


Der neue Bundespräsident Gauck wird die integrationspolitische Linie seines Vorgängers Christian Wulff, wonach der Islam zu Deutschland gehöre, fortsetzen müssen. Denn diese bleibt ohne Alternative, meint Loay Mudhoon.

Viele deutsche Bürger mit muslimischem Hintergrund sind von den fast zyklisch wiederkehrenden Debatten gekränkt, wenn es um ihre angebliche Integrationsunwilligkeit und vermeintliche Unvereinbarkeit ihrer Religion mit den Werten der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit geht .

Daher war es nicht verwunderlich, dass Vertreter der deutschen Muslime den Rücktritt Christian Wulffs bedauert haben. Aus ihrer Sicht war der Ex-Bundespräsident nämlich eine wichtige politische Integrationsfigur, weil er mit seinem Satz „Der Islam gehört auch zu Deutschland“ richtungweisende Signale für die Akzeptanz des Islam hierzulande gesetzt habe.

Kenan Kolat, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland hob vergangene Woche die Verdienste Wulffs noch einmal hervor und bezeichnete ihn als „unseren“ Bundespräsidenten. Auch wenn Wulffs Feststellung eine schlichte Beschreibung der Realität des modernen Deutschlands ist – aus Sicht der deutschen Muslime war sein Bekenntnis zu ihrer Religion als Teil dieses Landes alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Vor allem weil sie zeitlich mit dem Höhepunkt der sogenannten Sarrazin-Debatte zusammenfiel. Der Ökonom und Ex-Politiker Sarrazin hatte in einem Buch krude Thesen über ethnisch  bedingte Intelligenz verbreiten. Daraufhin setzte ein Diskurs ein, den die meisten Muslime als verletzend und sogar diskriminierend empfanden.

Sehnsucht nach Zugehörigkeit

Vor diesem speziellen Hintergrund lassen sich die Reaktionen der muslimischen Migrantenvertreter auf Wullfs Abgang begreifen. Sie befürchten, dass ihnen ein Fürsprecher auf Bundesebene fehlen wird, der in der Lage ist, symbolische Akzente der Anerkennung und Versöhnung auf höchster staatlicher Ebene zu setzen. Schließlich sind die Gesten der Anerkennung von besonderer Bedeutung für die große Anzahl gut integrierter Muslime hierzulande, die nicht verstehen können, weshalb sie angeblich nicht zu Deutschland gehören.

Hinzu kommt, dass der institutionalisierte Dialog zwischen dem deutschen Staat und seinen muslimischen Bürgern im Rahmen der Deutschen Islamkonferenz seit zwei Jahren auf der Stelle tritt. Die muslimischen Teilnehmer an diesem staatlich organisierten Dialog gehen inzwischen davon aus, dass Bundesinnenministers Hans-Peter Friedrich kein aufrichtiges Interesse am Erfolg der Einbürgerung des Islam in Deutschland hat.

„Präsident aller Bürger“

Von Sarrazins biologistische Thesen, die von muslimischer Seite als rassistischer Tabubruch angesehen werden, hat sich Joachim Gauck längst unmissverständlich distanziert. Noch wichtiger war allerdings seine überraschende Teilnahme an der Trauerfeier für die Opfer des rechtextremen Terrors kürzlich in Berlin. Damit setzte er ein Zeichen für Anteilnahme und Respekt.

Wulffs Integrationsansatz, wonach der Islam zu Deutschland gehöre, liege auch ihm am Herzen, betonte Gauck nach seiner Wahl. Das ist auf jeden Fall ein guter und zugleich alternativloser Anfang. Muslime erwarten natürlich zu Recht, dass es sich dabei nicht um eine inhaltsleere Attitüde handelt, sondern um eine aufrichtige und konsequente Grundhaltung des neuen Staatsoberhaupts.

Gauck will Präsident aller Bürger werden. Die rund vier Millionen Muslime in Deutschland werden seine Worte und Taten ganz genau beobachten.

Loay Mudhoon

© Deustche Welle 2012

Dieser Kommentar erschien zunächst auf dw.de.

Klares Bekenntnis zur modernen und bunten Demokratie in Deutschland: Der neue Bundespräsident Joachim Gauck warb in seiner Antrittsrede für eine offene Gesellschaft: „Wir leben inzwischen in einem Staat, in dem neben die ganz selbstverständliche deutschsprachige und christliche Tradition Religionen wie der Islam getreten sind, auch andere Sprachen, andere Traditionen und Kulturen“, so Gauck. Der moderne Staat definiere sich immer mehr durch die Zugehörigkeit seiner Bürger zu einer politischen und ethischen Wertegemeinschaft, betonte er in seiner ersten Rede nach seiner Vereidigung.

http://www.dw.de/dw/article/0,,15825399,00.html

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Mehr zur Integration in Deutschland:

– Gauck und die deutschen Muslime: Ein Präsident für alle?

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– Rede von Sheila Mysorekar von den “Neuen Deutschen Medienmachern” auf dem Integrationsgipfel am 31. Januar 2012: „Keine Angst, wir sprechen Deutsch“

– Netzwerk gegen Diskriminierung von Muslimen: Kenne deine Rechte!

Seit 2010 ist das Berliner “Netzwerk gegen Diskriminierung von Muslimen” bei der Aufklärung und Rechtsberatung in Moscheegemeinden aktiv. Häufig wissen Muslime gar nicht, dass Diskriminierung in Deutschland verboten ist. weiter »

Bindestrich-Bürger in Deutschland: „Keine Angst, wir sprechen Deutsch“


Bindestrich-Bürger in Deutschland: „Keine Angst, wir sprechen Deutsch“

“Jeder fünfte Mensch in diesem Land hat Migrationshintergrund, aber nur jeder 50. Journalist” – und das hat Folgen, wie Sheila Mysorekar von den “Neuen Deutschen Medienmachern” in ihrer Rede auf dem Integrationsgipfel am 31. Januar feststellte, die Publikative.org dokumentiert.

Von Sheila Mysorekar, mit freundlicher Genehmigung von Neue deutsche Medienmacher.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, Frau Dr. Böhmer,
sehr geehrte Damen und Herren,

als ich als ganz junge Journalistin bei einer Politikredaktion anfing und meine Texte abgab, geschah es oft, dass ich für meine gute Orthographie gelobt wurde. Das war mir seit der Grundschule nicht mehr passiert. Es war mir ein Rätsel, warum das in der Redaktion so positiv vermerkt wurde – bis mir aufging, dass niemand dort erwartet hatte, dass ich korrektes Deutsch schreiben könne. Denn die anderen Leute im Sender, die so aussahen wie ich, die haben dort geputzt.

Ich bin Rheinländerin. Ich bin so integriert, dass es kracht. Ich trinke Kölsch und feiere Karneval, die ganzen fünf Tage. Meine Migration besteht darin, dass ich von Düsseldorf nach Köln migriert bin, und wenn Rheinländer hier unter Ihnen sind, die können bestätigen: zwischen Köln und Düsseldorf, da liegen Welten.

Aber so normal deutsch ich mich fühle, in manchen Kontexten bin ich alles andere als normal. Ich bin Journalistin und in diesem Metier falle ich auf. Jeder fünfte Mensch in diesem Land hat Migrationshintergrund, aber nur jeder 50. Journalist. Wir sind also massiv unterrepräsentiert in diesem Beruf. Weswegen, da kann ich nur spekulieren. Vielleicht, weil Journalisten die Gralshüter der deutschen Sprache sind? Direkt nach Deutschlehrerinnen und Edmund Stoiber?

Und Ausländer sprechen halt kein Deutsch, das weiß ja jeder. Im Laufe meines Lebens ist mir buchstäblich schon Tausende Male gesagt worden: „Sie sprechen aber gut Deutsch!“ Darauf antworte ich gerne: „Ich wünschte, ich könnte das auch von Ihnen behaupten!“

Die Neuen Deutschen Medienmacher sind Journalisten und Journalistinnen mit Migrationshintergrund. Wir setzen uns dafür ein, dass mehr Migranten, schwarze Deutsche, Bindestrich-Bürger jeder Art in den Medien vertreten sind – vor und hinter der Kamera. Ein Ranga Yogeshwar, eine Dunja Hayali reichen nicht. Wir wollen nicht nur lächelnde Moderatoren sein, sondern Reporter, Redakteurinnen und Entscheider auf der Chefetage. Wir wollen Themen setzen und Blickwinkel verändern.

Es geht dabei auch um Diskurshoheit. Damit nicht – wie im Fall Sarrazin – Rassismus medial als Tabubruch inszeniert wird, selbst in seriösen Medien wie dem ‚Spiegelʼ und der ‚Zeitʼ. Oder damit nicht – wie im Falle der Neonazi-Mordserie – den Opfern lange Zeit auch von den Medien unterstellt wird, sie hätten durch kriminelle Machenschaften ihre Ermordung selbst verschuldet.

Wir wollen, dass die Medien die Dinge beim Namen nennen: Nicht ‚Fremdenfeindlichkeitʼ schreiben oder ‚Ausländerfeindlichkeitʼ – wir sind ja keine Ausländer, sondern Deutsche, und fremd sind wir schon gar nicht. Das heißt, es geht um Rassismus, nicht um Konflikte zwischen ach so fremden Kulturen. Und das Wort ‚Rassismusʼ kommt in der deutschen Presse äußerst selten vor.

Die multikulturelle Normalität, die zumindest in deutschen Großstädten herrscht, ist in den Medien nur zum Teil angekommen. Wir Neuen Deutschen Medienmacher fördern deshalb den Nachwuchs, wir organisieren ein Mentorenprogramm, reden mit Chefredakteuren und Herausgeberinnen, geben Diversity-Workshops, machen interkulturelle Fortbildungen in Redaktionen, richten Datenbanken ein und vieles mehr.

Unseren Platz müssen wir uns erkämpfen, denn in einer Branche, wo es sehr darauf ankommt, dass man die richtigen Leute kennt, fehlen uns die Seilschaften. Überspitzt gesagt: Die wenigsten von uns haben Väter, die mit Intendanten Golf spielen. Wir müssen uns also eigene Netzwerke aufbauen. Und das tun wir. Den Redaktionen bieten wir gute Leistung und fähige Kollegen an, die oft mehrsprachig sind und interkulturelle Kompetenz mitbringen, was in einer globalisierten Welt nur von Nutzen ist.

Aber es geht den Neuen Deutschen Medienmachern nicht nur darum, dass Journalisten mit Migrationshintergrund einen selbstverständlichen Platz in den Redaktionen einnehmen. Darüber hinaus wollen wir, dass deutsche Medien nicht nur weiße Deutsche als ihre Zielgruppe betrachten, sondern auch alle anderen Zuschauer, Zuhörer oder Leser, nämlich Deutsche mit verschiedenen ethnischen Hintergründen. Damit kann man sogar Geld verdienen.

In den USA beispielsweise überstieg letztes Jahr die Zahl der Menschen, die spanischsprachiges Fernsehen schauen, zum ersten Mal die Zahl der Zuschauer, die englischsprachiges Fernsehen gucken. Und in den USA herrscht – ähnlich wie in Deutschland – ein großes Zeitungssterben. Mit Ausnahme von Presse, die sich an ethnische Minderheiten richtet: dieser Zweig wächst nämlich rapide. Wer weiß – vielleicht könnten auch deutsche Zeitungen die allgemeine Krise in den Printmedien überwinden, indem sie sich stärker an die ethnischen Minderheiten wenden?

Es gibt viele von uns, und wir werden immer mehr.
Und keine Angst: wir sprechen Deutsch.

Die Seite der Neuen Deutschen Medienmacher.

Mehr zur Integration in Deutschland:

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Die Meinungen unter deutschen Muslimen über den neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck sind geteilt. Kritik wurde vor allem an Gaucks Verständnis für die Thesen Thilo Sarrazins laut. Jan Kuhlmann berichtet. weiter »

 

 

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Seit 2010 ist das Berliner „Netzwerk gegen Diskriminierung von Muslimen“ bei der Aufklärung und Rechtsberatung in Moscheegemeinden aktiv. Häufig wissen Muslime gar nicht, dass Diskriminierung in Deutschland verboten ist. Sabine Ripperger informiert. weiter »

Webseite des Vereins “Inssan“