Iran und die arabische Welt

Was kommt nach dem „Islamischen Staat“? Der IS-Dschihadismus lebt weiter


Was kommt nach dem „Islamischen Staat“? Der IS-Dschihadismus lebt weiter

Das territoriale Ende des IS-Kalifats ist mit der Rückeroberung Mossuls und Rakkas besiegelt. Doch von Entwarnung kann keine Rede sein, denn der IS ist nur ein Symptom einer Krise der Staatlichkeit im Nahen Osten, meint Loay Mudhoon.
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Trump im Nahen Osten: Der Anti-Obama im islamischen Krisenbogen


Trump im Nahen Osten: Der Anti-Obama im islamischen Krisenbogen

Trumps erste Auslandsreise führt ihn ins Herz der islamischen Welt. Ambivalente Erwartungen und große Skepsis begleiten ihn auf diesem heiklen Terrain, schreibt der Nahost-Experte Loay Mudhoon in diesem Kommentar.
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Kommentar zum Kampf gegen den IS: Nur Sunniten können den „Islamischen Staat“ besiegen


Kommentar zum Kampf gegen den IS: Nur Sunniten können den „Islamischen Staat“ besiegen

Die Luftangriffe der US-geführten „Koalition der Willigen“ haben den so genannten „Islamischen Staat“ geschwächt. Doch um den IS zu besiegen, wird dringend eine arabisch-sunnitische Allianz benötigt, meint Loay Mudhoon.

Zweifelsohne haben die massiven Luftangriffe der US-geführten Koalition gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS) entscheidend dazu beigetragen, dass die territoriale Ausbreitung dieses dschihadistischen Möchte-Gern-Kalifats zunächst gestoppt wurde. Auch die Befreiung der nordsyrischen Grenzstadt Kobane durch irakisch-kurdische Peschmerga-Kämpfer wäre ohne Unterstützung der amerikanischen und arabischen Luftangriffe kaum vorstellbar gewesen. Diese unbestreitbaren Erfolge haben den Mythos von der Unbesiegbarkeit des so genannten „Islamischen Staates“ (IS) zwar bröckeln lassen, doch von einem unmittelbar bevorstehenden Sieg über diese enthemmten Extremisten kann keine Rede sein.
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Nahost-Experte Loay Mudhoon über Folgen der Arabellion: „Am liebsten Friedhofsruhe in der arabischen Welt“


Nahost-Experte Loay Mudhoon über Folgen der Arabellion: „Am liebsten Friedhofsruhe in der arabischen Welt“

Demokratie nach der Arabellion: Ölreiche Länder werden häufig autoritär regiert. Für die Förderung werden nicht viele Menschen gebraucht. Deshalb kann, wer die Macht hat, diesen Bodenschatz ausbeuten, ohne sich sonderlich um die Bedürfnisse der Bevölkerung zu kümmern. Dass es in der arabischen Welt besonders viel Öl, aber auch besonders repressive Regime gibt, ist kein Zufall, sagt der auf die Region spezialisierte Journalist Loay Mudhoon, und das wirkt sich auch auf aktuelle Konflikte in Syrien und Irak aus.

Leidet die gesamte arabische Welt am Ölfluch?
Loay Mudhoon: Ja, es fällt auf, dass alle ölreichen Länder der arabischen Welt lange entweder von säkularen Diktatoren oder absoluten Monarchen regiert wurden. Der Ölreichtum blockiert eine humane und demokratische Einwicklung. Dort, wo es kein Öl gibt, sieht es leider kaum besser aus. Dort gibt es aber auch weniger Entwicklungschancen. Ökonomisch hängen die Länder ohne Öl von den Petrodollars der Nachbarn ab. Das läuft unter anderem über direkte staatliche Unterstützung, Geldtransfers an Verwandte und Migration.

US-Präsident George W. Bush versprach 2003, die Region werde demokratisch erblühen, wenn Iraks Diktator Saddam Hussein falle.
Das war ein gewaltiger Irrtum. Heute sieht jeder, wohin die völkerrechtswidrige Invasion geführt hat. Demokratie lässt sich nicht von außen mit Waffen erzwingen.

Aber auch der arabische Frühling scheint gescheitert – mit der Ausnahme Tunesiens vielleicht, wo die Demokratie noch möglich ist. Warum haben die Aufstände den Monarchen weniger angehabt als den Diktatoren?
Die erste Welle der Arabellion ist gescheitert. Das hat mehrere Dimensionen:

  • Königsfamilien haben etwas mehr Legitimität als Diktatoren von Republiken. Sie sind institutionell besser verankert. Sie stützen ihre Macht nicht nur auf das Militär, sondern auch auf tribale Zugehörigkeit. Sie haben, anders als die Diktatoren, auch keine umfassende Modernisierung versprochen.
  • Die Monarchien, die Öl ausführen, haben einen Teil ihres Reichtums umverteilt. In manchen Golfstaaten ist die heimische Bevölkerung recht wohlhabend.

Die eigentliche Ursache der Arabellion war der Jugend-Tsunami: die große Zahl junger Leute, die im Vergleich zu früheren Generationen gut ausgebildet sind, die dank Internet und Satellitenfernsehen wissen, wie es anderswo zugeht, und die für sich selbst keine Zukunft sehen. Die wirtschaftliche Lage ist in Tunesien und Ägypten verzweifelter als in Saudi-Arabien oder Katar.
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Kommentar: Kein Ende des nahöstlichen Staatensystems von „Sykes-Picot“


Kommentar: Kein Ende des nahöstlichen Staatensystems von „Sykes-Picot“

Der Vormarsch der terroristischen ISIS-Miliz im Irak rüttelt an den künstlichen Grenzen in Nahost. Der Westen sollte pragmatisch versuchen, das entstandene Chaos unter Kontrolle zu halten, meint Loay Mudhoon.

Ohne Zweifel hat der überraschende Vormarsch der radikal-sunnitischen ISIS-Miliz im Irak die Karten im Mittleren Osten neu gemischt. Denn den Steinzeit-Dschihadisten gelang es in nur wenigen Tagen und ohne nennenswerten Widerstand durch die irakische Armee, die Kontrolle über große Gebiete im Westen des Iraks zu gewinnen. Dazu gehört die Millionenstadt Mossul, die zweitgrößte Stadt des Zweistromlandes.

Inzwischen dürften die ISIS-Kämpfer ihre Machtbasis im sunnitisch geprägten Westen des Iraks stabilisiert haben. Und sie kontrollieren bereits weite Teile im Osten Syriens entlang dem Euphrat. Zudem ist es ihnen offenbar gelungen, einen strategisch wichtigen Grenzübergang zu Syrien zu erobern. Somit ist die Grenze zwischen beiden Staaten, in denen die transnational agierenden Gotteskrieger ein Dschihadisten-Kalifat errichten wollen, faktisch nicht existent.
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Kommentar: Syrien-Resolution offenbart die Schwäche des Westens


Kommentar: Syrien-Resolution offenbart die Schwäche des Westens

Die Annahme der UN-Resolution zur Vernichtung aller syrischen Chemiewaffen ist ein wichtiger Erfolg für die UN-Diplomatie. Sie ist aber auch Ausdruck mangelnder Durchsetzungsfähigkeit des Westens. Ein Kommentar von Loay Mudhoon.

Endlich ist sie aufgehoben, die zweieinhalbjährige Blockade im UN-Sicherheitsrat, die jedwedes international abgestimmte Vorgehen im Syrien-Konflikt verhinderte. Nach wochenlangen Diskussionen und Verhandlungen zwischen russischen und amerikanischen Diplomaten hat das mächtigste UN-Gremium eine völkerrechtlich verbindliche Resolution angenommen, die Syrien dazu verpflichtet, alle Chemiewaffen zu vernichten. 
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Kommentar: Keine Chance für die internationale Diplomatie im Syrienkonflikt ohne Drohkulisse


Kommentar: Keine Chance für die internationale Diplomatie im Syrienkonflikt ohne Drohkulisse

Der Erfolg der russischen Initiative, das syrische Chemiewaffenarsenal international zu kontrollieren, ist nur möglich, wenn Moskau die militärische Drohkulisse gegen das Assad-Regime mitträgt, meint Loay Mudhoon.

Keine Frage: Durch das überraschende Angebot Russlands, das Assad-Regime dazu zu bewegen, sein Chemiewaffen-Arsenal offenzulegen und unter internationale Kontrolle zu stellen, sind die Karten in der Syrienkrise neu gemischt worden. Nachdem der syrische Diktator die diplomatische Vorlage seiner Schutzmacht dankend angenommen hat, scheint ein US-amerikanischer Militärschlag gegen seine Armee abgewendet zu sein. Zumindest vorerst.
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Atomstreit: Sitzt der Iran am langen Hebel?


Ein israelischer Militärschlag gegen Teherans Atomanlagen wird immer wahrscheinlicher. Dabei hat der Krieg gegen den Iran längst begonnen: Seit Jahren verschärfen die USA und Europa ihre Wirtschaftssanktionen. Die unkalkulierbaren Folgen dieser Boykottpolitik nimmt der Westen offenbar in Kauf.

Dass der IRAN den Dialog über sein ATOMPROGRAMM wieder aufnehmen möchte, ist eigentlich ein gutes Zeichen. Aber wie reagiert der Westen? Man glaubt dem Regime kein Wort, das seinerseits immer wieder wenig vertrauenstiftende Aktionen startet, wie zuletzt die Verlagerung von Atomanlagen in unterirdische Bunker.

Die verschärften WIRTSCHAFTSSANKTIONEN, schreibt Gary Sick, der u.a. Berater von US-Präsident Jimmy Carter war, machen andererseits die Lage womöglich erst richtig gefährlich: Wenn Mitte 2012 der fast vollständige Boykott
iranischer Bankgeschäfte und Ölexporte durch die USA und die Europäische
Union formell in Kraft tritt, wird aus den wirtschaftlichen
Zwangsmaßnahmen endgültig ein verdeckter Krieg geworden sein?

Dass Teheran stillhält oder einfach klein beigibt, ist wenig wahrscheinlich.
Das komplette Szenario von Gary Sick „Iran am langen Hebel“ lesen Sie
hier in der aktuellen Ausgabe von Le Monde diplomatique.

Mehr zum Streit um das iranische Atomprogramm:

Irans umstrittenes Atomprogramm

Teheraner Visionen und nukleare Realitäten

Das iranische Nuklearprogramm steht seit über einem Jahrzehnt im Zentrum der internationalen Aufmerksamkeit. Von Anfang an ging es dabei jedoch um mehr, als nur um technische Details und die völkerrechtlichen Aspekte des Programms. Vielmehr spielten ideologische Positionen und geostrategische Interessen eine wichtige Rolle. Eine Analyse von Walter Posch. Mehr lesen..

Interview mit Ali Granmayeh

Iran und die “Arabellions“

Im Jahr 2009, vor dem Beginn des Arabischen Frühlings, erhoben sich Iraner in der Grünen Bewegung gegen das Regime in ihrem Land – ohne Erfolg. Was denken Iraner über die Welle der arabischen Revolutionen? Darüber sprach Mona Sarkis mit dem ehemaligen iranischen Diplomaten und Politikwissenschaftler Ali Granmayeh. weiter »

 

 

Irans politische Rechte und die Perspektiven für einen neuen Elitenkompromiss


Ahmadineschad und die Prinzipalisten

Neue SWP-Studie über Irans politische Rechte und die Perspektiven für einen neuen Elitenkompromiss.

Die innenpolitische Landschaft der Islamischen Republik Iran steht spätestens seit den Protesten gegen die Wiederwahl Präsident Ahmadineschads im Sommer 2009 im Fokus des internationalen Interesses. Zum damaligen Zeitpunkt handelte es sich um eine Auseinandersetzung zwischen Reformkräften und den sogenannten Prinzipalisten. Schon Ende 2009 kamen die Risse und Spannungen innerhalb des Lagers der Prinzipalisten zum Vorschein, zunächst zwischen Konservativen und Hezbollahis. Ab 2011 führten die Spannungen zwischen Ahmadineschad und jenen Gruppen, die ihn jahrelang unterstützt hatten, zum Ausschluss seines politischen Flügels. Gleichzeitig wurde den Reformisten Versöhnung angeboten. Damit versucht das Regime, einen Teil der Reformkräfte in die iranische Politik zu reintegrieren.

Anlass dafür sind die in den Jahren 2012 und 2013 anstehenden Parlaments- und Präsidentschaftswahlen, die mehr als alle Wahlen zuvor zum Lackmustest für das Regime werden. Denn entsprechend seinem populistischen Selbstverständnis braucht das Regime eine hohe Wahlbeteiligung – und die ist nur durch eine Beteiligung der Reformkräfte zu erreichen. Daraus ergibt sich die Chance, dass die kommenden Wahlen freier und fairer verlaufen als die Präsidentschaftswahlen von 2009.

Ein Durchbruch zur Demokratie ist allerdings nicht zu erwarten; dazu fehlen im Iran noch viele Grundlagen. Aber eine Wahl auf Basis transparenter internationaler Standards ist trotz der zahlreichen ideologischen Limitationen in der Islamischen Republik durchaus möglich. Die internationale Gemeinschaft wäre gut beraten, auf eine korrekte Durchführung der Wahlen zu bestehen. Im Mittelpunkt der internationalen Beobachtung der Wahlen sollte dabei weniger deren Ergebnis stehen, sondern die Art ihrer Durchführung.

Hier können Sie die SWP-Studien 2011/S 35, Dezember 2011 von Walter Posch lesen.

Mehr zu Iran und Iranischer Politik:

– Israel, Iran und der Atomkonflikt: Der Alarm der Demagogen

Seit der Veröffentlichung des jüngsten IAEA-Berichts ist das Säbelrasseln zwischen Teheran und Jerusalem lauter geworden. Neu sind die Drohgebärden beider Seiten aber keineswegs. Hintergründe von Joseph Croitoru weiter »

Neue Studie über das Verhältnis zwischen Sunniten und Schiiten in Nahost nach dem Irakkrieg 2003


Neue Studie über das Verhältnis zwischen Sunniten und Schiiten in Nahost nach dem Irakkrieg 2003

Rivalitäten und Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten in Nahost

Rivalitäten und Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten in Nahost

von Sigrid Faath (Hg.)

Steht der Nahe Osten vor einer Eskalation der historischen Rivalität? Die seit 2003 gewaltsam ausgetragene Auseinandersetzung der Muslime im Irak führt das Konfliktpotenzial des religiösen Gegensatzes vor Augen, das die Stabilität der gesamten Region gefährdet. Zieht sich doch die sunnitisch-schiitische Bruchlinie durch die Gesellschaften fast aller Länder des Raumes. Viele Regierungen fürchten einen steigenden schiitischen und iranischen Einfluss und die Instrumentalisierung der schiitischen Minderheiten für die machtpolitischen Ambitionen Teherans. Feindbilder werden mobilisiert. Dabei wird der Konflikt von politischen, sozioökonomischen und religiösen Fragen gleichermaßen getrieben.

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Mehr zum Thema:

Die ägyptische Muslimbruderschaft und der Iran

Vor dem Hintergrund der jüngsten Spannungen zwischen der ägyptischen Regierung und der Hisbollah analysiert Mehdi Khalaji, Politologe am Washington Institute for Near East Policy, die komplexen Beziehungen zwischen der ägyptischen Regierung, der sunnitischen Muslimbruderschaft und dem schiitischen Regime im Iran

Vorgehen gegen Schiiten in Marokko

  • Die Angst vor dem Verlust der Legitimität
    Damit hatte wohl niemand gerechnet, dass das Königreich Marokko Anfang März den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zur Islamischen Republik Iran verkündete. Über die Hintergründe informiert Alfred Hackensberger aus Rabat.
  • Sunnitisch-schiitische Beziehungen
    Fehlende Selbstkritik
    Bahnt sich bald eine positive Wende im Irak-Konflikt an? Kann das Vertrauen zwischen Sunniten und Schiiten, das aus jahrhundertelangem Zusammenleben gewachsen ist, wiederhergestellt werden? Diese Fragen wirft der Journalist und Schriftsteller Slaheddine Jourchi auf.Das neue Selbstbewusstsein der Schia
    Ein schiitischer „Krisenbogen“ in Nahost
    Der Nahost- und Islamexperte Arnold Hottinger beschreibt, wie der politische Machteinfluss der Schia in jüngster Vergangenheit durch die anhaltenden Konflikte im Irak und im Libanon weiter zugenommen hat.

    Sunniten und Schiiten im Irak
    Düstere Aussichten
    Pessimisten sehen im Irak viele Anzeichen dafür, dass der derzeitige Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten nicht überwunden werden kann. Ahmad Al- Saadawi mit Hintergründen

  • www
    The Washington Institute for Near East Policy

Blickt der Westen eindimensional auf Irans grüne Protestbewegung?


Blickt der Westen eindimensional auf Irans grüne Protestbewegung?

Politische Ohnmacht: Die Demonstranten der grünen Bewegung haben nicht die Kraft, den Unterdrückungsapparat des Regimes und Millionen seiner Anhänger zurückzudrängen, schreibt Sarkohi.

Der bekannte iranische Schriftsteller Faraj Sarkohi, Träger des Kurt-Tucholsky-Preises für politisch Verfolgte und  Ehrenmitglied des PEN-Zentrums Deutschland, kritisiert in seiner fundierten und bemerkenswert differenzierten Analyse auf Qantara.de den seiner Meinung nach einseitigen Blick westlicher Medien auf Irans grüne Protestbewegung und die dramatischen Ereignisse nach der Wahlmanipulation im Juni 2009. Faraj Sarkohi schreibt:

Das Bild westlicher Medien resultierte vor allem aus der Berichterstattung von Journalisten, welche die kleine, wohlhabende Mittelschicht in den großen Städten als Mehrheit der iranischen Bevölkerung präsentierten. Die Positionen eines Großteils der Iraner, die armen und einkommensschwachen Bevölkerungsschichten, wurden medial dagegen kaum beleuchtet.

Das persischsprachige Internet nahm im vergangenen Jahr eine Monopolstellung für die grüne Bewegung ein, doch die Mehrheit der iranischen Bevölkerung hat keinen Zugang zum Internet, und die Nutzung im Iran ist zumeist auf Jugendliche sowie insbesondere auf die Mittel- und Oberschicht beschränkt.

An den Protestdemonstrationen als Reaktion auf die bekannt gegebenen Wahlergebnisse nahmen zunächst Millionen Menschen in den großen Städten teil, deren Zahl schrumpfte jedoch nach und nach auf rund 5.000 bis 10.000 Menschen an den Universitäten und in den Wohnvierteln der städtischen Mittel- und Oberschicht.

Zu Beginn verfügte die Bewegung über keinerlei Slogans, die die armen und einkommensschwachen Schichten wirklich ansprach. Die Werte und Symbole der Bewegung entsprangen der westlich orientierten Mittelschicht.

Viele Unterstützer Mussawis aus den armen und einkommensschwachen Bevölkerungsschichten verließen nach und nach die Reihen der grünen Bewegung. Die Distanz der unteren Bevölkerungsschichten zur grünen Bewegung wuchs, nachdem sich die Protestaktionen vor allem auf Jugendliche der Mittel- und Oberschicht zu konzentrieren begann.

Sein ernüchterndes Fazit: Die grüne Bewegung hofft weiterhin, dass ihre Taktik des Drucks von unten durch das Volk sowie Verhandlungen von oben aufgeht und das Regime Kompromissbereitschaft zeigt. Doch für eine Bewegung, die ein despotisches Regime von innen heraus reformieren will, bleiben die Möglichkeiten begrenzt.

Den ganzen lesenswerten Beitrag können Sie auf Qantara.de lesen…


Mehr Hintergrundbeiträge zu Iran:

Irans grüne Bewegung ein Jahr nach den Unruhen
Im politischen Abseits
Ein Jahr nach den Protesten gegen den umstrittenen Wahlsieg von Präsident Ahmadinedschad fehlt der grünen Bewegung noch immer eine schlüssige politische Strategie gegen das Regime, meint Karim Sadjadpour, Iran-Experte der Carnegie-Stiftung für internationalen Frieden in Washington.
Die grüne Protestbewegung im Iran
Zeit zum Umdenken
Irans Oppositionsbewegung muss aus den Monaten seit den Präsidentschaftswahlen im letzten Jahr ihre Lehren ziehen und eine neue, schlüssige Strategie entwerfen, meint Nazenin Ansari, politische Korrespondentin der persischen Wochenzeitung „Kayhan“ aus London.

Irans grüne Protestbewegung

Risse im Fundament
Steter Tropfen höhlt den Stein: Trotz massiver Repressionen setzt die Reformbewegung um Mehdi Karrubi und Mir Hossein Mussawi ihre Proteste weiter fort und entdeckt neue Formen des Widerstands gegen das Regime. Ghasem Toulany informiert.

Interview mit Karim Sadjadpour
„Das Regime ist heute verletzlicher als zuvor“
Im Gespräch mit Birgit Kaspar erläutert Karim Sadjadpour, Iran-Experte der Carnegie-Stiftung für internationalen Frieden in Washington, die gespannte Lage im Iran nach den Protesten gegen Präsident Ahmadinedschad und die Perspektiven im Nuklearstreit mit dem Westen.
Politischer Machtkampf im Iran
Auf verlorenem Posten
Nach Auffassung des iranischen Schriftstellers Faraj Sarkohi hat sich der Hoffnungsträger der Reformer, Mirhossein Mussawi, im Nachspiel der Wahlen selbst ins Abseits manövriert. Als Sieger aus der politischen Krise geht hingegen Ali Akbar Hashemi Rafsandschani hervor.

Porträt Mir Hussein Mussawi
Reformer ohne Referenzen
Mir Hussein Mussawi ist in Iran zum Volkshelden der Opposition geworden. Darauf hat in seinem politischen Leben allerdings bislang wenig hingedeutet. Einzelheiten von Rudolph Chimelli

Europäische Iranpolitik auf dem Prüfstand


Europäische Iranpolitik auf dem Prüfstand

Die Sanktionsspirale dreht sich

Europäische Iranpolitik auf dem Prüfstand

SWP-Aktuell 2010/A 26, März 2010, 4 Seiten von Walter Posch

Nach dem jüngsten Bericht der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA) vom 18. Februar 2010 berät der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (VN) über neue Sanktionen gegen den Iran. Da es noch zu keiner Einigung kam, werden die Verhandlungen auch außerhalb des VN-Rahmens fortgesetzt. Die von der internationalen Gemeinschaft bislang gegen den Iran verhängten Sanktionen zielen nicht darauf ab, die iranische Wirtschaft nachhaltig zu schädigen oder gar das Regime zu stürzen. Vielmehr geht es darum, der Forderung Nachdruck zu verleihen, dass Teheran die Sicherheitsratsresolutionen befolgen solle. Die Politik der Sanktionen wurde durch Verhandlungsangebote der EU (2005) und – unter EU-Federführung – der internationalen Gemeinschaft (2006 und 2008) ergänzt. Dieser Ansatz ist offensichtlich gescheitert, da weder Sanktionen noch Kooperationsangebote Teheran zum Einlenken bewegt haben. Dennoch dreht sich die Spirale der Sanktionen weiter, die nun zum Hauptinhalt der Iranpolitik zu werden drohen – mit nachteiligen Folgen für Deutschland und Europa.

Lesen Sie den ganzen Beitrag auf Seiter der SWP: Volltext (PDF)

Mehr zum Thema:

Interview mit Hans Blix
„Demütigungen sind schlecht für die Diplomatie“
Kommt unter dem neuen US-Präsidenten Bewegung in den verfahrenen Atomstreit mit dem Iran? Wichtig sei, dass man endlich wieder miteinander rede, so Hans Blix, der ehemalige IAEA-Präsident. Thomas Latschan hat sich mit ihm unterhalten.

Nahostpolitik der EU und der USA
Drohender Stillstand statt Wandel
Der Wahlsieg der Hardliner im Iran und die fehlende Bereitschaft der israelischen Regierung zu ernsthaften Zugeständnissen an die Palästinenser bedeuten einen klaren Rückschlag für Obamas Vision für Frieden und Sicherheit in der Region. Ein Essay von Michael Lüders

Die arabischen Staaten und das iranische Atomprogramm
Widerstand gegen regionale Machtambitionen
Trotz anhaltender Kritik hat die Führung in Teheran ihr umstrittenes Atomprogramm wieder aufgenommen. Doch nicht nur im Westen wächst die Sorge vor einer iranischen Bombe, sondern auch in der arabischen Welt, wie Frederik Richter aus Kairo berichtet.