Irak

Was kommt nach dem „Islamischen Staat“? Der IS-Dschihadismus lebt weiter


Was kommt nach dem „Islamischen Staat“? Der IS-Dschihadismus lebt weiter

Das territoriale Ende des IS-Kalifats ist mit der Rückeroberung Mossuls und Rakkas besiegelt. Doch von Entwarnung kann keine Rede sein, denn der IS ist nur ein Symptom einer Krise der Staatlichkeit im Nahen Osten, meint Loay Mudhoon.
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Trump und der Nahe Osten: Die Verführung der Despoten


Trump und der Nahe Osten: Die Verführung der Despoten

Auch im Nahen Osten wird die Trump-Wahl als eine Zäsur gesehen. Viele befürchten eine Rückkehr zu einfachen Denkmustern, die seine Präsidentschaft zum Albtraum für die Region werden lässt, schreibt Nahost-Experte Loay Mudhoon in seinem Kommentar.
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Saudi-Arabien ist zum Kampf gegen den IS verdammt


Saudi-Arabien ist zum Kampf gegen den IS verdammt

Nach der Anschlagsserie in Saudi-Arabien hat das Königshaus keine andere Wahl, als das Pseudokalifat des IS mit allen Mitteln zu bekämpfen. Die Monarchie muss jetzt tiefgreifende Reformen durchsetzen, meint Loay Mudhoon.
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Kommentar zur EU-Flüchtlingspolitik: Europa braucht gemeinsame Standards


Kommentar zur EU-Flüchtlingspolitik: Europa braucht gemeinsame Standards
Die Flüchtlingskrise ist eine Chance, das humanitäre Erbe Europas wiederzubeleben. Deutschland und seine Zivilgesellschaft spielen dabei bereits eine Vorreiterrolle, meint Loay Mudhoon.


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Kommentar zum Kampf gegen den IS: Nur Sunniten können den „Islamischen Staat“ besiegen


Kommentar zum Kampf gegen den IS: Nur Sunniten können den „Islamischen Staat“ besiegen

Die Luftangriffe der US-geführten „Koalition der Willigen“ haben den so genannten „Islamischen Staat“ geschwächt. Doch um den IS zu besiegen, wird dringend eine arabisch-sunnitische Allianz benötigt, meint Loay Mudhoon.

Zweifelsohne haben die massiven Luftangriffe der US-geführten Koalition gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS) entscheidend dazu beigetragen, dass die territoriale Ausbreitung dieses dschihadistischen Möchte-Gern-Kalifats zunächst gestoppt wurde. Auch die Befreiung der nordsyrischen Grenzstadt Kobane durch irakisch-kurdische Peschmerga-Kämpfer wäre ohne Unterstützung der amerikanischen und arabischen Luftangriffe kaum vorstellbar gewesen. Diese unbestreitbaren Erfolge haben den Mythos von der Unbesiegbarkeit des so genannten „Islamischen Staates“ (IS) zwar bröckeln lassen, doch von einem unmittelbar bevorstehenden Sieg über diese enthemmten Extremisten kann keine Rede sein.
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Nahost-Experte Loay Mudhoon über Folgen der Arabellion: „Am liebsten Friedhofsruhe in der arabischen Welt“


Nahost-Experte Loay Mudhoon über Folgen der Arabellion: „Am liebsten Friedhofsruhe in der arabischen Welt“

Demokratie nach der Arabellion: Ölreiche Länder werden häufig autoritär regiert. Für die Förderung werden nicht viele Menschen gebraucht. Deshalb kann, wer die Macht hat, diesen Bodenschatz ausbeuten, ohne sich sonderlich um die Bedürfnisse der Bevölkerung zu kümmern. Dass es in der arabischen Welt besonders viel Öl, aber auch besonders repressive Regime gibt, ist kein Zufall, sagt der auf die Region spezialisierte Journalist Loay Mudhoon, und das wirkt sich auch auf aktuelle Konflikte in Syrien und Irak aus.

Leidet die gesamte arabische Welt am Ölfluch?
Loay Mudhoon: Ja, es fällt auf, dass alle ölreichen Länder der arabischen Welt lange entweder von säkularen Diktatoren oder absoluten Monarchen regiert wurden. Der Ölreichtum blockiert eine humane und demokratische Einwicklung. Dort, wo es kein Öl gibt, sieht es leider kaum besser aus. Dort gibt es aber auch weniger Entwicklungschancen. Ökonomisch hängen die Länder ohne Öl von den Petrodollars der Nachbarn ab. Das läuft unter anderem über direkte staatliche Unterstützung, Geldtransfers an Verwandte und Migration.

US-Präsident George W. Bush versprach 2003, die Region werde demokratisch erblühen, wenn Iraks Diktator Saddam Hussein falle.
Das war ein gewaltiger Irrtum. Heute sieht jeder, wohin die völkerrechtswidrige Invasion geführt hat. Demokratie lässt sich nicht von außen mit Waffen erzwingen.

Aber auch der arabische Frühling scheint gescheitert – mit der Ausnahme Tunesiens vielleicht, wo die Demokratie noch möglich ist. Warum haben die Aufstände den Monarchen weniger angehabt als den Diktatoren?
Die erste Welle der Arabellion ist gescheitert. Das hat mehrere Dimensionen:

  • Königsfamilien haben etwas mehr Legitimität als Diktatoren von Republiken. Sie sind institutionell besser verankert. Sie stützen ihre Macht nicht nur auf das Militär, sondern auch auf tribale Zugehörigkeit. Sie haben, anders als die Diktatoren, auch keine umfassende Modernisierung versprochen.
  • Die Monarchien, die Öl ausführen, haben einen Teil ihres Reichtums umverteilt. In manchen Golfstaaten ist die heimische Bevölkerung recht wohlhabend.

Die eigentliche Ursache der Arabellion war der Jugend-Tsunami: die große Zahl junger Leute, die im Vergleich zu früheren Generationen gut ausgebildet sind, die dank Internet und Satellitenfernsehen wissen, wie es anderswo zugeht, und die für sich selbst keine Zukunft sehen. Die wirtschaftliche Lage ist in Tunesien und Ägypten verzweifelter als in Saudi-Arabien oder Katar.
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Kommentar: Kein Ende des nahöstlichen Staatensystems von „Sykes-Picot“


Kommentar: Kein Ende des nahöstlichen Staatensystems von „Sykes-Picot“

Der Vormarsch der terroristischen ISIS-Miliz im Irak rüttelt an den künstlichen Grenzen in Nahost. Der Westen sollte pragmatisch versuchen, das entstandene Chaos unter Kontrolle zu halten, meint Loay Mudhoon.

Ohne Zweifel hat der überraschende Vormarsch der radikal-sunnitischen ISIS-Miliz im Irak die Karten im Mittleren Osten neu gemischt. Denn den Steinzeit-Dschihadisten gelang es in nur wenigen Tagen und ohne nennenswerten Widerstand durch die irakische Armee, die Kontrolle über große Gebiete im Westen des Iraks zu gewinnen. Dazu gehört die Millionenstadt Mossul, die zweitgrößte Stadt des Zweistromlandes.

Inzwischen dürften die ISIS-Kämpfer ihre Machtbasis im sunnitisch geprägten Westen des Iraks stabilisiert haben. Und sie kontrollieren bereits weite Teile im Osten Syriens entlang dem Euphrat. Zudem ist es ihnen offenbar gelungen, einen strategisch wichtigen Grenzübergang zu Syrien zu erobern. Somit ist die Grenze zwischen beiden Staaten, in denen die transnational agierenden Gotteskrieger ein Dschihadisten-Kalifat errichten wollen, faktisch nicht existent.
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Irak: wie die Uranmunition die Kinder grausam tötet


Amerikaner und Briten leugnen bis heute den Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Uranmunition und dem sprunghaften Anstieg von schweren Kindern- Missbildungen und neuartigen Kinder-Krebsfällen im Nachkriegsirak. Doch die Fakten sprechen eine deutliche Sprache. Dies berichtete der „Weltspiegel“ in einer schockierenden Reportage heute.

Im letzten Irak-Krieg 2003, auch als „Dritter Golfkrieg“ bekannt, setzten die Alliierten uranhaltige Munition ein. Die panzerbrechende Waffe wirkt noch nach Jahren.

Die Truppen der sogenannten „Koalition der Willigen“ unter amerikanischer Führung verschossen in ihrem völkerrechtswidrigen Krieg gegen die Truppen des irakischen Diktators Saddam Hussein mehr als 2000 Tonnen Uranmunition.
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Irans politische Rechte und die Perspektiven für einen neuen Elitenkompromiss


Ahmadineschad und die Prinzipalisten

Neue SWP-Studie über Irans politische Rechte und die Perspektiven für einen neuen Elitenkompromiss.

Die innenpolitische Landschaft der Islamischen Republik Iran steht spätestens seit den Protesten gegen die Wiederwahl Präsident Ahmadineschads im Sommer 2009 im Fokus des internationalen Interesses. Zum damaligen Zeitpunkt handelte es sich um eine Auseinandersetzung zwischen Reformkräften und den sogenannten Prinzipalisten. Schon Ende 2009 kamen die Risse und Spannungen innerhalb des Lagers der Prinzipalisten zum Vorschein, zunächst zwischen Konservativen und Hezbollahis. Ab 2011 führten die Spannungen zwischen Ahmadineschad und jenen Gruppen, die ihn jahrelang unterstützt hatten, zum Ausschluss seines politischen Flügels. Gleichzeitig wurde den Reformisten Versöhnung angeboten. Damit versucht das Regime, einen Teil der Reformkräfte in die iranische Politik zu reintegrieren.

Anlass dafür sind die in den Jahren 2012 und 2013 anstehenden Parlaments- und Präsidentschaftswahlen, die mehr als alle Wahlen zuvor zum Lackmustest für das Regime werden. Denn entsprechend seinem populistischen Selbstverständnis braucht das Regime eine hohe Wahlbeteiligung – und die ist nur durch eine Beteiligung der Reformkräfte zu erreichen. Daraus ergibt sich die Chance, dass die kommenden Wahlen freier und fairer verlaufen als die Präsidentschaftswahlen von 2009.

Ein Durchbruch zur Demokratie ist allerdings nicht zu erwarten; dazu fehlen im Iran noch viele Grundlagen. Aber eine Wahl auf Basis transparenter internationaler Standards ist trotz der zahlreichen ideologischen Limitationen in der Islamischen Republik durchaus möglich. Die internationale Gemeinschaft wäre gut beraten, auf eine korrekte Durchführung der Wahlen zu bestehen. Im Mittelpunkt der internationalen Beobachtung der Wahlen sollte dabei weniger deren Ergebnis stehen, sondern die Art ihrer Durchführung.

Hier können Sie die SWP-Studien 2011/S 35, Dezember 2011 von Walter Posch lesen.

Mehr zu Iran und Iranischer Politik:

– Israel, Iran und der Atomkonflikt: Der Alarm der Demagogen

Seit der Veröffentlichung des jüngsten IAEA-Berichts ist das Säbelrasseln zwischen Teheran und Jerusalem lauter geworden. Neu sind die Drohgebärden beider Seiten aber keineswegs. Hintergründe von Joseph Croitoru weiter »

Neue Studie über das Verhältnis zwischen Sunniten und Schiiten in Nahost nach dem Irakkrieg 2003


Neue Studie über das Verhältnis zwischen Sunniten und Schiiten in Nahost nach dem Irakkrieg 2003

Rivalitäten und Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten in Nahost

Rivalitäten und Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten in Nahost

von Sigrid Faath (Hg.)

Steht der Nahe Osten vor einer Eskalation der historischen Rivalität? Die seit 2003 gewaltsam ausgetragene Auseinandersetzung der Muslime im Irak führt das Konfliktpotenzial des religiösen Gegensatzes vor Augen, das die Stabilität der gesamten Region gefährdet. Zieht sich doch die sunnitisch-schiitische Bruchlinie durch die Gesellschaften fast aller Länder des Raumes. Viele Regierungen fürchten einen steigenden schiitischen und iranischen Einfluss und die Instrumentalisierung der schiitischen Minderheiten für die machtpolitischen Ambitionen Teherans. Feindbilder werden mobilisiert. Dabei wird der Konflikt von politischen, sozioökonomischen und religiösen Fragen gleichermaßen getrieben.

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Die ägyptische Muslimbruderschaft und der Iran

Vor dem Hintergrund der jüngsten Spannungen zwischen der ägyptischen Regierung und der Hisbollah analysiert Mehdi Khalaji, Politologe am Washington Institute for Near East Policy, die komplexen Beziehungen zwischen der ägyptischen Regierung, der sunnitischen Muslimbruderschaft und dem schiitischen Regime im Iran

Vorgehen gegen Schiiten in Marokko

  • Die Angst vor dem Verlust der Legitimität
    Damit hatte wohl niemand gerechnet, dass das Königreich Marokko Anfang März den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zur Islamischen Republik Iran verkündete. Über die Hintergründe informiert Alfred Hackensberger aus Rabat.
  • Sunnitisch-schiitische Beziehungen
    Fehlende Selbstkritik
    Bahnt sich bald eine positive Wende im Irak-Konflikt an? Kann das Vertrauen zwischen Sunniten und Schiiten, das aus jahrhundertelangem Zusammenleben gewachsen ist, wiederhergestellt werden? Diese Fragen wirft der Journalist und Schriftsteller Slaheddine Jourchi auf.Das neue Selbstbewusstsein der Schia
    Ein schiitischer „Krisenbogen“ in Nahost
    Der Nahost- und Islamexperte Arnold Hottinger beschreibt, wie der politische Machteinfluss der Schia in jüngster Vergangenheit durch die anhaltenden Konflikte im Irak und im Libanon weiter zugenommen hat.

    Sunniten und Schiiten im Irak
    Düstere Aussichten
    Pessimisten sehen im Irak viele Anzeichen dafür, dass der derzeitige Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten nicht überwunden werden kann. Ahmad Al- Saadawi mit Hintergründen

  • www
    The Washington Institute for Near East Policy

Lob der irakischen Demokratie: Ein Gespräch mit dem Islam- und Politikwissenschaftler Loay Mudhoon


Lob der irakischen Demokratie: Ein Gespräch mit dem Islam- und Politikwissenschaftler Loay Mudhoon

Ein Gespräch mit dem Islam- und Politikwissenschaftler Loay Mudhoon

Seit Anfang Februar nimmt die Gewalt im Irak wieder zu. Gerade gestern kamen bei einer Anschlagserie 35 Menschen ums Leben. Kein gutes Vorzeichen für die Parlamentswahlen am kommenden Sonntag. Wie frei kann eine Wahlentscheidung in einem Klima der Gewalt sein? Loay Mudhoon, der sich als Politikwissenschaftler und Leiter des Internetportals qantara.de seit langem mit der Lage im Irak beschäftigt, sieht das Land dennoch auf dem richtigen Weg. Verglichen mit der Situation in anderen arabischen Ländern seien die Fortschritte bei der Demokratisierung des Irak durchaus vielversprechend. Mehr …

Sendungen Politikum Sendung vom 04.03.2010 19:05 Beitrag

Die „Arabische Krankheit“ und die Theorie des ‚Neo-Patriarchismus‘


Die „Arabische Krankheit“ und die Theorie des ‚Neo-Patriarchismus‘

Brian Whitaker: „Was läuft wirklich falsch im Nahen Osten“

Lizenz zur Unterdrückung

Was ist los mit den arabischen Gesellschaften? Warum gelingt es ihnen nicht, demokratische Regierungen zu installieren? Diese Frage hat der britische Journalist Brian Whitaker in seinem Buch „What’s Really Wrong with the Middle East“ untersucht. Seine Antwort, so Rezensent James M. Dorsey: Nicht nur die Regierungen, die Gesellschaften selbst sind repressiv. „Um dieses Phänomen zu beschreiben, bedient sich Whitaker der Theorie des Neo-Patriarchismus‚ des aus Palästina stammenden US-Historikers Hisham Sharabi.

In einem kontrovers diskutierten, in vielen arabischen Ländern bis heute verbotenen Buch aus den 1980er Jahren, konstatiert Sharabi, dass die arabische Gesellschaft um die ‚Dominanz des Vaters (Patriarchen)‘ aufgebaut sei: Dieser bildet ‚das Zentrum der nationalen wie der natürlichen Familie. So existieren zwischen dem Herrscher und den Beherrschten, zwischen Vater und Sohn einzig vertikale Beziehungen: in beiden Verhältnissen ist der väterliche Wille absolut‚.“

Brian Whitaker: „Was läuft wirklich falsch im Nahen Osten“

Lizenz zur Unterdrückung

In seinem neuesten Buch analysiert der britische Journalist Brian Whitaker das, was man auch als „arabische Krankheit“ bezeichnet. Er glaubt, dass die repressiven Reflexe der arabischen Regime bereits so verinnerlicht sind, dass sie die gesamten Gesellschaften durchdringen. Mehrlesen…

Nahostpolitik der EU und der USA
Drohender Stillstand statt Wandel
Der Wahlsieg der Hardliner im Iran und die fehlende Bereitschaft der israelischen Regierung zu ernsthaften Zugeständnissen an die Palästinenser bedeuten einen klaren Rückschlag für Obamas Vision für Frieden und Sicherheit in der Region. Ein Essay von Michael Lüders

Perspektiven auf den radikalen Islamismus
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Was nährt den radikalen Islamismus, und wie lässt er sich differenzieren? Volker Perthes, ausgewiesener Nahostexperte und Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik, liefert in seiner Analyse fünf konkrete Ansatzpunkte, wie Europa in der muslimischen Welt konstruktiv agieren könnte.

Die EU und Ägypten
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In wirtschaftlicher Hinsicht wünscht sich die ägyptische Regierung eine Kooperation mit der EU, lehnt aber deren Menschenrechts-Konzepte als innere Einmischung ab. Isabel Schäfer zeigt das Dilemma der „Euro-Mediterranen Partnerschaft“ am Beispiel Ägyptens auf.