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Yala! Yala! Arabische Frauenbewegungen


Yala! Yala! Arabische Frauenbewegungen
Die Umbrüche durch den Arabischen Frühling brachten nicht überall und für jede Emanzipation mit sich. Im Zuge des islamistischen Backlashs müssen Frauen in den arabischen Ländern ihre Rechte vehement verteidigen.Sie können dabei auf eine lange Tradition feministischer Kämpfe und Debatten zurückgreifen, die hierzulande kaum wahrgenommen werden. Bereits im 19. Jahrhundert wurden reformerische Ideen und Schriften zum Status der Frauen verbreitet. Und Frauen sind nicht erst mit der Arabellion ‚plötzlich’ auf der Straße erschienen. Ihre aktive Beteiligung an den antikolonialen Bewegungen war schon in den 1930er und 40er Jahren begleitet von Forderungen nach rechtlicher Gleichstellung.

‚Die‘ arabische Frauenbewegung ist lebendig und damit auch heterogen und widersprüchlich. Deshalb fällt es schwer, die unterschiedlichen Länder der arabischen Welt auf einen Nenner zu bringen. Gerade wegen ihrer Vielschichtigkeit lohnt jedoch ein Blick auf ‚die’ arabischen Länder und ihre Frauenbewegungen. Denn der nächste Frühling könnte ein feministischer sein.
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Publikation zum Arabischen Frühling: Die Rolle der Medien in Zeiten der Arabellion


Publikation zum Arabischen Frühling: Die Rolle der Medien in Zeiten der Arabellion

Die Fachbeiträge des Media Dialogue 2012 sind jetzt in einer Schriftenreihe veröffentlicht worden. Darunter ein Essay über Soziale Medien und die Arabellion von Eira Martens, ehemalige IMS-Studentin.

„Facebook-Revolution” in der arabischen Welt: Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter spielen eine immer größere Rolle bei politischen Protesten. Hier werden Videos von Misshandlungen gepostet, hier verabreden sich die Demonstranten. Auch in Ägypten pushte das Internet den Protest. Foto: Wikimedia/ Essam Sharaf

„Facebook-Revolution” in der arabischen Welt: Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter spielen eine immer größere Rolle bei politischen Protesten. Hier werden Videos von Misshandlungen gepostet, hier verabreden sich die Demonstranten. Auch in Ägypten pushte das Internet den Protest. Foto: Wikimedia/ Essam Sharaf

Jährlich lädt die DW Akademie führende internationale Wissenschaftlicher und Medienexperten zum interdisziplinären Austausch „Media Dialogue“ nach Bonn ein. Im Mittelpunkt stand 2012 das Thema „Arabische Welt – Die Rolle der Medien in Zeiten des Umbruchs“. In der Konferenzdokumentation, die jetzt erschienen ist, findet sich auch ein Essay von Eira Martens, die über die Rolle der Sozialen Medien während der politischen Umbrüche geforscht hat und genau wissen wollte: Handelte es sich wirklich um eine „Facebook-Revolution“? Sie meint: „Soziale Medien werden in ihrer Funktion schnell überschätzt.“
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Kutub:na – Neue deutschsprachige Bücher für die arabische Welt


Kutub:na – Neue deutschsprachige Bücher für die arabische Welt

Trommeln in der Nacht

… ist der Titel eines bereits 1922 erschienenen Stücks von Bertolt Brecht. Gleich mehrere große Zeitthemen verarbeitete der 21jährige in dieser herben Komödie – chaotische Zustände nach dem Ersten Weltkrieg, den Spartakus-Aufstand, Liebe in Zeiten der Revolution. Der Kriegsheimkehrer Andreas Kragler, Proletarier und Revolutionär aus betrogener Liebe, wendet, als die Geliebte zu ihm zurückkehrt, der Revolution den Rücken und wird wieder zum privatisierenden Bourgeois. Ein Thema, das auch in unserer Zeit und in der arabischen Welt aktuell ist. Trommeln in der Nacht ist der „Klassiker“, den wir zur Übersetzung ins Arabische vorschlagen möchten. kutub:na 4 stellt aber vor allem aktuelle Romane, Sachbücher und Kinder- und Jugendliteratur vor, die erst kürzlich auf dem deutschen Buchmarkt erschienen sind

Bei den Sachbüchern lassen sich drei thematische Schwerpunkte feststellen: Bücher, die sich mit Demokratie und Aufklärung in Europa und in der arabischen Welt beschäftigen – es werden auch neue Denkansätze vorgestellt wie in Plaum, Die Wiki-Revolution – Absturz und Neustart der westlichen Demokratie; Orientierungshilfen und Anleitungen für die globale Welt wie Schnädelbach, Was Philosophen wissen – Und was man von ihnen lernen kann oder die Macchiavelli-Biographie; der dritte Schwerpunkt sind Bücher, die sich auf unterschiedlichen Ebenen mit gesellschaftlichen Phänomenen wie Hyperaktivität oder dem übermäßigen Konsum von Kommunikationstechnologien (Internet, Smartphone etc.) beschäftigen.

Ein besonderer Fokus liegt in dieser Ausgabe aber auf neuen Kinder- und Jugendbüchern: Unterhaltsame Titel voller Situationskomik und Sprachwitz sind genauso dabei wie ein Fantasy-Roman (Poznanski, Erebos), ein Buch über ein Pflegekind aus Ruanda (Jansen, Herzsteine) und eine berührende und nachdenkliche Geschichte über Einsamkeit und Verzweiflung (Bach, Was vom Sommer übrig ist).

kutub:na 4 stellt insgesamt wieder

25 Bücher vor – ausgewählt aus mehr als 60 Vorschlägen von einer deutsch-arabischen Jury von Journalisten, Literaturkritikern und Kinderbuchexperten aus Deutschland.Sie haben die Möglichkeit, sich per RSS-Feed über Neuerscheinungen auf dem Laufenden zu halten.Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre und hoffen, dass viele „unserer Bücher“ auf Ihr Interesse stoßen und Eingang in Ihr Verlagsprogramm finden werden.

Zum Schluss möchten wir noch auf das Übersetzungsförderungsprogramm des Goethe-Instituts hinweisen:
www.goethe.de/uebersetzungsfoerderungWenn Sie einen Antrag auf Übersetzungsförderung stellen möchten, beraten wir Sie gerne!Download Symbolkutub:na 4 (PDF, 470 KB)

Wird der arabische Frühling die Unterordnung der arabischen Welt beenden?


Wird der arabische Frühling die Unterordnung der arabischen Welt beenden?

Der Historiker Eugene Rogan: Die Unterordnung der arabischen Welt unter die Regeln der auswärtigen Mächte könnte enden – durch den arabischen Frühling. Eine der Thesen des Buches lautet, dass sich die moderne Geschichte der Araber in den vergangenen fünf Jahrhunderten größtenteils nach den Regeln der dominanten Mächte der jeweiligen Zeit abspielte. Im Jahr 2011 haben wir erlebt, wie die Bürger in der arabischen Welt die Initiative ergriffen, ohne dass die großen Mächte beteiligt waren. Foto: Propyläen Verlag

Der renommierte amerikanische Historiker Eugene Rogan hat mit seinem vor einigen Monaten auf Deutsch erschienenen Buch „Die Araber“ ein neues Standardwerk zur Geschichte der arabischen Welt der vergangenen 500 Jahre geschrieben. Besonderes Augenmerk legt der Oxford-Historiker dabei auf die Dominanz ausländischer Mächte und drei Kräfte: den arabischen Nationalismus, das Öl und den politischen Islam. Mehr…

Neues arabisches Selbstbewusstsein

Für den US-Historiker Eugene Rogan, der zu den besten Kenner der arabischen Welten zweifelsohne zählt, bedeutet der historische Umbruch 2011 die Wiederkehr einer arabischen politischen Identität als maßgeblicher Faktor, wie man es seit dem Höhepunkt des arabischen Nationalismus nicht mehr gesehen hat.

Seiner Ansicht nach entwickelte sich in den letzten Jahren  ein neues arabisches Selbstbewusstsein: „Die Araber empfinden einen neuen Stolz, dass sie eine globale Bewegung anführen, die gegen verantwortungslose Regierungen und Ungleichheit protestiert“. (Mehr im Interview mit Eugene Rogan).

Literatur: Eugene Rogan: Die Araber. Eine Geschichte von Unterdrückung und Aufbruch. Propyläen Verlag 2012

Widerspenstige Säkularisierung: Abdelwahab Meddeb über den tunesischen Republikgründer Habib Bourguiba


Widerspenstige Säkularisierung: Abdelwahab Meddeb über den tunesischen Republikgründer Habib Bourguiba
BOURGUIBAS WIEDERKEHR  Tunesiens Geschichte, die Tabus des Glaubens und der Kampf für Freiheit

BOURGUIBAS WIEDERKEHR: Tunesiens Geschichte, die Tabus des Glaubens und der Kampf für Freiheit

Am Horizont der Hoffnungen, der sich mit der tunesischen Revolution auftat, sieht Abdelwahab Meddeb dunkle Wolken aufziehen. Er konstatiert Machteroberungsgelüste der islamischen Parteien und Verstöße gegen den Geist der Freiheit und sieht die demokratischen Rechte durch religiösen Beherrschungswillen bedroht. Die schwierige Gegenwart ist Anlass, zurückzublicken auf den ersten postkolonialen Staatspräsidenten Bourguiba, der politische Führungsfähigkeiten und intellektuelle Autorität vereinte.

Bourguiba war ein europäisch geprägter Intellektueller, der das Land modernisieren wollte und entscheidende Schritte zur Gleichberechtigung von Mann und Frau, zum Aufbau eines säkularen Bildungssystems, zur Geburtenkontrolle sowie zu einem Rechtsstaat unternommen hat – um damit die traditionale Gesellschaft in die demokratische Moderne zu führen.

Doch widerstand er nicht der Versuchung, sich zum Präsidenten auf Lebenszeit zu ernennen. In seinem vehementen Bestreben nach Säkularisierung machte er sich den politischen Islam zum Feind und verletzte die religiösen Empfindungen vieler.

Den ganzen Beitrag können Sie in der neuen Ausgane von „Lettre International“ (97 Sommer 2012) lesen. 

http://www.lettre.de

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Mehr Beiträge über Tunesien: 

Mohamed Talbi: „Reflektionen eines modernen Muslims“

Auf Nöldekes Spuren

Der tunesische Intellektuelle Mohamed Talbi gilt als einer der wichtigsten und kritischsten Vordenker der arabischen Welt. In seinem jüngst erschienen Buch geht er mit den traditionell islamischen Religionsgelehrten hart ins Gericht – und plädiert für eine zeitgemäße Leseart des Koran. Rachid Boutayeb stellt Mohamed Talbi und sein jüngstes Buch vor. Mehr

Tunesien nach der Wahl

Die “Ennahda“ und die Herausforderungen der Demokratie

Die islamische „Ennahda“ ist die große Gewinnerin der Wahlen in Tunesien. Aufgrund ihrer positiven innerparteilichen Entwicklung ist es vorstellbar, dass sie sich in ein pluralistisch-demokratisches System einfügen könnte, schreibt der tunesische Philosoph Jameleddine Ben Abdeljelil in seinem Kommentar. weiter »

Die Wut der Tunesier und Ägypter gegen ihre autokratischen Herrscher hat eine beispiellose Revolte in den arabischen Staaten ausgelöst. In unserem Dossier informieren wir über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe der Massenproteste. weiter

Gesellschaftliche Bewegungen im Polizeistaat  in Tunesien
Im Jahr 2010 soll Tunesien Teil einer Freihandelszone zwischen der EU und Nordafrika werden. Doch bis dahin wird das Land viele Arbeitsplätze einbüßen – und damit möglicherweise seine politische Stabilität. Bernhard Schmid mit Hintergründen

EU und Tunesien
Nordafrikas Despotie zu Diensten
Der tunesische Rechtsanwalt und Menschenrechtsaktivist Mokhtar Yahyaoui kritisiert die fragwürdige europäische Förderung des autoritären politischen Systems in Tunesien, das den Aufbau demokratischer und zivilgesellschaftlicher Strukturen blockiere.

Interview mit Hachem Saleh
„Wir sollten den Weg der religiösen Aufklärung gehen“
Die Muslime sollten in Zeiten moderner Wissenschaften eine neue Lesart des Korans vorlegen, die die Heilige Schrift auf ihre spirituelle Dimension beschränkt, meint der in Paris lebende syrische Denker Hachem Saleh im Interview.

Neue Studie über das Verhältnis zwischen Sunniten und Schiiten in Nahost nach dem Irakkrieg 2003


Neue Studie über das Verhältnis zwischen Sunniten und Schiiten in Nahost nach dem Irakkrieg 2003

Rivalitäten und Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten in Nahost

Rivalitäten und Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten in Nahost

von Sigrid Faath (Hg.)

Steht der Nahe Osten vor einer Eskalation der historischen Rivalität? Die seit 2003 gewaltsam ausgetragene Auseinandersetzung der Muslime im Irak führt das Konfliktpotenzial des religiösen Gegensatzes vor Augen, das die Stabilität der gesamten Region gefährdet. Zieht sich doch die sunnitisch-schiitische Bruchlinie durch die Gesellschaften fast aller Länder des Raumes. Viele Regierungen fürchten einen steigenden schiitischen und iranischen Einfluss und die Instrumentalisierung der schiitischen Minderheiten für die machtpolitischen Ambitionen Teherans. Feindbilder werden mobilisiert. Dabei wird der Konflikt von politischen, sozioökonomischen und religiösen Fragen gleichermaßen getrieben.

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Mehr zum Thema:

Die ägyptische Muslimbruderschaft und der Iran

Vor dem Hintergrund der jüngsten Spannungen zwischen der ägyptischen Regierung und der Hisbollah analysiert Mehdi Khalaji, Politologe am Washington Institute for Near East Policy, die komplexen Beziehungen zwischen der ägyptischen Regierung, der sunnitischen Muslimbruderschaft und dem schiitischen Regime im Iran

Vorgehen gegen Schiiten in Marokko

  • Die Angst vor dem Verlust der Legitimität
    Damit hatte wohl niemand gerechnet, dass das Königreich Marokko Anfang März den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zur Islamischen Republik Iran verkündete. Über die Hintergründe informiert Alfred Hackensberger aus Rabat.
  • Sunnitisch-schiitische Beziehungen
    Fehlende Selbstkritik
    Bahnt sich bald eine positive Wende im Irak-Konflikt an? Kann das Vertrauen zwischen Sunniten und Schiiten, das aus jahrhundertelangem Zusammenleben gewachsen ist, wiederhergestellt werden? Diese Fragen wirft der Journalist und Schriftsteller Slaheddine Jourchi auf.Das neue Selbstbewusstsein der Schia
    Ein schiitischer „Krisenbogen“ in Nahost
    Der Nahost- und Islamexperte Arnold Hottinger beschreibt, wie der politische Machteinfluss der Schia in jüngster Vergangenheit durch die anhaltenden Konflikte im Irak und im Libanon weiter zugenommen hat.

    Sunniten und Schiiten im Irak
    Düstere Aussichten
    Pessimisten sehen im Irak viele Anzeichen dafür, dass der derzeitige Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten nicht überwunden werden kann. Ahmad Al- Saadawi mit Hintergründen

  • www
    The Washington Institute for Near East Policy

Gezielte Tabubrüche: Gute Literatur muss arabische ‚Tabu-Dreieck‘ tangieren


Gezielte Tabubrüche: Gute Literatur muss arabische ‚Tabu-Dreieck‘ tangieren

„Meiner Ansicht nach muss jeder qualitativ gute Roman das arabische ‚Tabu-Dreieck‘ – bestehend aus Religion, Politik und Sexualität – tangieren“, erklärt Abdo Khal im Interview mit Loay Mudhooon in der Neuen Züricher Zeitung.

In Saudiarabien war es immer sehr schwierig, interessante Kunst zu produzieren: „Das Gebot der Wahhabiten, dass alle Kunst islamisch sein müsse, erstickte das Kulturschaffen im Königreich“, schreibt der jordanische Kulturredakteur Fakhri Saleh  in einem sehr lesenswerten Artikel in Literatur und Kunst. Die Anschläge vom 11. September haben aber doch eine gewisse Erschütterung bewirkt. Das zeige sich zum Beispiel an dem mit dem arabischen Bookerpreis ausgezeichneten Roman „Tarmi bi-sharar“ (mehr hier) von Abdo Khal.

Der Titel „zitiert einen Koranvers über die Hölle; und die Hölle sind in diesem Fall die Slums von Jidda, in denen der Protagonist des Buches aufgewachsen ist. Eines Tages werden die miserablen Hütten seines Viertels geräumt, statt ihrer wächst ein Palast empor; der Romanheld findet dort Anstellung – sein Job ist es fortan, die Widersacher des Fürsten zu vergewaltigen. Die Erzählung gestaltet Khal als Monolog seines von Schuldgefühlen gepeinigten und am Schmutz seines eigenen Tuns würgenden Protagonisten; dabei rücken auch der wahnsinnige Fürst, seine Lakaien und die zahllosen Prostituierten in den Blick, die auf allen möglichen und unmöglichen Wegen in den Palast gebracht werden.“

Das Interview mit Abdo Khal wurde  in der Neuen Züricher Zeitung am 7. August 2010 veröffentlicht.

http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/literatur_und_kunst/gezielte_tabubrueche_1.7123147.html

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7. August 2010, Neue Zürcher Zeitung

Gezielte Tabubrüche

Gespräch mit dem Schriftsteller Abdo Khal

Der Gewinner des diesjährigen arabischen Booker-Preises, Abdo Khal, gilt als die zurzeit wichtigste literarische Stimme Saudiarabiens. Im Interview mit Loay Mudhoon spricht er über die Bedeutung der Auszeichnung für die Literatur am Golf und über die allzu einäugige Kritik an seinen Erzählungen.
Ihr Roman «Tarmi bi-sharar» gewann bei der Buchmesse in Abu Dhabi den diesjährigen arabischen Booker-Preis. Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie persönlich und die arabische Literatur am Golf?

Der Preis stellt einen Meilenstein für die Literatur in der Golfregion dar, die leider lange vom Rest der arabischen Welt kaum beachtet wurde. Viele in der Buchbranche und im Literaturbetrieb haben den Erfahrungsschatz der Menschen am Golf in ihrer jahrhundertealten arabisch-islamischen Geschichte nicht zu würdigen vermocht, obwohl diese zur Bereicherung der arabischen Kultur entscheidend beigetragen haben.
Das heisst, der Booker-Preis kann als eine Art «Rehabilitation» der arabischen Literatur aus den Golfstaaten angesehen werden?

Zweifellos kann die Verleihung des Preises an einen Autor aus der Golfregion helfen, das Monopol des sogenannten «Zentrums» in der arabischen Kultur und im Literaturbetrieb zu brechen – obwohl ich die künstliche Aufteilung in Zentrum und Peripherie in Bezug auf einen traditionsreichen Kulturraum wie den arabischen für unwürdig halte. Literarische Kreativität und Qualität hat meiner Ansicht nach mit geografischer Lage nichts zu tun. Zurzeit befindet sich die Golfregion in Aufbruchsstimmung und avanciert zunehmend zu einem wichtigen Epizentrum der Globalisierung. Auch die meisten Verlagsaktivitäten finden inzwischen am Golf statt, und die tonangebenden arabischen Medien sind dort stationiert. Schon deshalb sollte den kulturellen Leistungen in dieser Region mehr Beachtung geschenkt werden. Um arabischen Autoren zum Durchbruch zu verhelfen, plädiere ich aber dafür, alle fünf Shortlist-Autoren auszuzeichnen, wobei es weniger um Preisgelder gehen sollte als vielmehr um die Anerkennung und Würdigung ihrer literarischen Leistungen.
Ihr preisgekrönter Roman, in dem Sie ohne Rücksicht auf Tabus die gesellschaftlichen Veränderungen in der Stadt Jidda beschreiben, wurde vor allem aufgrund seiner provozierenden Sprache heftig kritisiert. Einige Kritiker meinen, das Buch diffamiere die moralischen Werte der saudischen Gesellschaft. Hat Sie diese Reaktion überrascht?

Nein. Es ist völlig normal, dass ein Roman, der komplexe soziale Phänomene kritisch beleuchtet, der dabei nicht zimperlich mit den Mächtigen umgeht und vor allem Despotismus und Machtmissbrauch anprangert, solche Reaktionen provoziert. Ich denke aber, dass gute literarische Kritik viel Erfahrung voraussetzt, damit der Kritiker die Komplexität des Romans überhaupt erfassen kann. Ein Buch wird in der Regel falsch eingeschätzt, wenn sich die Kritiker nur auf einen Teilaspekt des Werks konzentrieren und andere Aspekte und Handlungsstränge ausser acht lassen.
Nicht wenige Kritiker sind aber der Meinung, Ihr Roman sei sehr erfolgreich, weil er bewusst Tabus brechen wolle.
Ich weiss nicht, warum «Tarmi bi-sharar» auf diese Aspekte von Skandal und Sexualität reduziert wird. Aber in der Tat kann man einen Roman nicht von seinem realen Kontext trennen, insbesondere wenn er die Doppelmoral einer Gesellschaft aufdeckt und für mehr Freiheitsräume plädiert. Meiner Ansicht nach muss jeder qualitativ gute Roman das arabische «Tabu-Dreieck» – bestehend aus Religion, Politik und Sexualität – tangieren.
Ihr Roman handelt vom Niedergang eines Stadtteils in Jidda, von den Verlierern und Ausgegrenzten. Möchten Sie damit eine bestimme Botschaft senden?

Die Ausgegrenzten sind meinem Begriff nach alle Menschen in einer Gesellschaft, die nicht in der Lage sind, sich Gehör zu verschaffen. Mein Roman ist eine Auseinandersetzung zwischen zwei Welten: der des dekadenten Reichtums und derjenigen der bitteren Armut – er beschreibt diese Welten mit all ihren Facetten. Und jeder kann aus diesem Roman herauslesen, was er möchte: die literarische Schönheit oder die skandalösen Teilaspekte.
Abdo Khal, 1962 in Jizan im Südwesten Saudiarabiens geboren, studierte Politikwissenschaften an der University of King Abdulaziz in Jidda. Seit Beginn der 1980er Jahre arbeitet Khal für verschiedene saudiarabische Zeitungen. Zurzeit leitet er das Feuilleton der Tageszeitung «Ukaz» und ist Mitherausgeber der Zeitschrift «Ar-Rawi».

Loay Mudhoon ist Islamwissenschafter und Redaktionsleiter des Dialogportals «Qantara.de – Dialog mit der islamischen Welt».

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Mehr Beiträge zum Thema:

Arab Booker Prize für Youssef Ziedan
Rebellion gegen den brutalen Papst
Seit zwei Jahren gibt es den „Arab Booker Prize“ für Autoren aus dem arabischen Raum. Beide Male ging er nach Ägypten. Der Gewinner in diesem Jahr ist Youssef Ziedan, der mit seinem Roman „Azazil“ für Furore sorgt. Khalid El Kaoutit informiert.

Literaturverlage in Kairo
Eine besondere Form der Moderne
Im Rahmen eines deutsch-ägyptischen Kulturprogramms wurde der deutsche Literaturverleger Axel von Ernst nach Kairo eingeladen, um sich mit seinen ägyptischen Kollegen über die dortige Literaturlandschaft auszutauschen. In diesem Reisebericht schildert er seine Eindrücke.

Literaturszene in Kairo
Lesen aus Lust und Neugier

Arabische Literaturverlage drucken bis heute oft kleine Auflagen ihrer Bücher, da sich die Leserschaft ohnehin meist nur auf wenige Intellektuelle beschränkt. Doch seit kurzem ist die Literaturszene am Nil in Bewegung geraten. Susanne Schanda erklärt warum.

Dossier: Deutsch-arabischer Literaturaustausch
Die Literatur ist immer ein zentrales Medium des Kulturdialogs. Dabei sind es oft Aktivitäten, die im Kleinen, ja Verborgenen stattfinden: Übersetzer und Verleger, die sich am Rande des Existenzminimums um die geliebte fremde Kultur verdient machen. Wir präsentieren deutsche und arabische Initiativen.

Wohin steuern Ägyptens Muslimbruderschaft?


Führungswechsel bei Ägyptens Muslimbruderschaft: Demokratieversuch mit unverhofftem Ergebnis
von Annette Büchs

Am 16. Januar 2010 gab Ägyptens größte Oppositionsbewegung – die verbotene, aber geduldete Muslimbruderschaft – die Wahl von Mohammad Badei zu ihrem neuen Obersten Führer bekannt. Badei wurde Nachfolger von Mohammad Mahdi Akef, der nach nur sechs Jahren Amtszeit seinen Rücktritt erklärt hatte. Erstmals schied damit ein Oberster Führer der Muslimbruderschaft nicht durch Tod, sondern freiwillig aus dem Amt.

Analyse


Mit dem Amtsverzicht ihres Obersten Führers und der Neuwahl seines Nachfolgers versuchte die Muslimbruderschaft, sich als die politische Reformkraft Ägyptens darzustellen. Sie präsentierte damit ein Kontrastprogramm zu Ägyptens 82-jährigem Präsidenten Hosni Mubarak, der trotz seines hohen Alters nicht von seinem Amt lassen will und überdies die Weichen für die Nachfolge durch seinen Sohn Gamal Mubarak stellt. Akefs bereits im April 2009 angekündigter Rücktritt bedeutete zwar einen demokratischen Impuls innerhalb der Organisation; Vorfeld, Ablauf und Ergebnis der Wahl verdeutlichen jedoch, dass die Muslimbruderschaft damit ein politisch riskantes Terrain betreten hat
—    Das Ergebnis der Wahl kündet von einem klaren Machtzugewinn der konservativen Kräfte innerhalb der Muslimbruderschaft.
—    Der Wahlgang und sein Vorlauf legte erhebliche Spannungen und Konflikte zwischen Konservativen und Reformern offen und förderte zudem Unzulänglichkeiten hinsichtlich der internen demokratischen Praxis zutage.
—    Das Regime und die staatsnahen Medien trugen zur Erhöhung der Konflikte bei. Dies ist insbesondere im Kontext der Weichenstellung für die Parlamentswahlen 2010 zu sehen, für die das Regime die Muslimbruderschaft als größte Oppositionsbewegung zu schwächen sucht.
—    Entgegen der ursprünglichen Intention führte der Demokratieversuch vorerst zu einer Schwächung der Muslimbruderschaft. Gleichwohl erscheinen Prognosen über ihre bevorstehende Spaltung, Auflösung oder Radikalisierung voreilig.

Die Ausgabe 01/2010 des GIGA Focus Nahost ist erschienen und steht unter: http://www.giga-hamburg.de/giga-focus/nahost zum Herunterladen bereit.

Mehr Beiträge zur Die Muslimbruderschaft:

Kommunalwahlen in Ägypten
Muslimbrüder im Visier
Ägyptische Sicherheitskräfte gehen massiv gegen die Muslimbruderschaft vor. Die Islamisten-Organisation spricht von einer Kampagne im Vorfeld der Kommunalwahlen. Auch Menschenrechtler kritisieren die repressive Politik des Mubarak-Regimes. Einzelheiten von Rainer Sollich.

Die Muslimbruderschaft
Richtungsstreit um demokratische Öffnung
Die Muslimbruderschaft ist in vielen arabischen Staaten und insbesondere in Ägypten die bedeutendste politische Oppositionskraft. In der ältesten und größten politischen Organisation der islamischen Welt ist jedoch ein fundamentaler Richtungsstreit ausgebrochen. Hintergründe von James M. Dorsey

Interview Wahid Hamed
Ägyptischer Film „Das Haus Yacoubian“ bricht mit allen Tabus
Seit Jahren erregte kein ägyptischer Kinofilm so breites öffentliches Interesse wie der Film „Das Haus Yacoubian“. Drehbuchautor Wahid Hamed spricht über die Gerichtsprozesse, die gegen den Film angestrengt wurden, und über die freie Meinungsäußerung in Ägypten.

Neil MacFarquhar öffnet ungewöhnliche Perspektiven auf den Nahen Osten


Neil MacFarquhar öffnet ungewöhnliche Perspektiven auf den Nahen Osten
Belehrung, Rechthaberei oder Verkürzung der komplexen Realitäten des Nahen Ostens sind Neil MacFarquhar fremd. Darin liegt nicht nur der Wert, sondern auch die besondere Bannkraft seiner Darstellung, schreibt Schader.

Belehrung, Rechthaberei oder Verkürzung der komplexen Realitäten des Nahen Ostens sind Neil MacFarquhar fremd. Darin liegt nicht nur der Wert, sondern auch die besondere Bannkraft seiner Darstellung, schreibt Schader.

Die NZZ-Redakteurin Angela Schader, eine ausgewiesene Kennerin der arabischen Welt, empfiehlt das bisher nur auf Englisch erschienenes Buch „The Media Relations Department of Hizbollah Wishes You a Happy Birthday“ mit Reportagen aus der arabischen Welt, die der Autor unter anderem für die New York Times schrieb.

MacFarquhars Begegnungen im Nahen Osten öffnen ungewöhnliche Perspektiven auf den Nahen Osten. Und Sie plädiert für diskrete Unterstützung der Zivilgesellschaft in den autoritären Staaten im Mittleren Osten:

„Die Summa, die MacFarquhar aus seinen Erfahrungen und Begegnungen zieht, fällt immer wieder ähnlich aus: Statt den Geist der Moderne – im vermeintlich Guten oder mit Gewalt – in die arabisch-islamische Welt hineintragen zu wollen, bedürfte es eines geschärften Blicks für die dort existierenden Strukturen.

Die noch fragilen zivilgesellschaftlichen Bewegungen müssten mit der nötigen Zurückhaltung und Diskretion unterstützt werden; dagegen könnte sich der Westen seinerseits mächtige Player wie den Fernsehsender Al-Jazira zunutze machen, über den sich eigene Positionen wirksamer verbreiten liessen als etwa durch den von den USA lancierten und weitgehend erfolglosen arabischsprachigen Kanal Al-Hurra.

Auch wenn der Autor die Formulierung solcher konkreter Ratschläge riskiert – Belehrung, Rechthaberei oder die Verkürzung der höllisch komplexen Realitäten des Nahen Ostens sind ihm fremd. Darin liegt nicht nur der Wert, sondern auch die besondere Bannkraft seiner Darstellung“. Mehr ….

(hier ein Auszug aus: Neil MacFarquhar: The Media Relations Department of Hizbollah Wishes You a Happy Birthday. PublicAffairs, New York 2009).

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Mehr zum Thema:

nterview mit Georges Corm:
Mit zweierlei Maß
Solange der Westen moralische Standards und internationale Gesetze in der islamischen Welt nicht einheitlich anwende, seien Dialogversuche nicht ernst zu nehmen, sagt Georges Corm. Mona Sarkis sprach mit dem Sozialwissenschaftler und früheren libanesischen Finanzminister.

Brian Whitaker: „Was läuft wirklich falsch im Nahen Osten“
Lizenz zur Unterdrückung
In seinem neuesten Buch analysiert der britische Journalist Brian Whitaker das, was man auch als „arabische Krankheit“ bezeichnet. Er glaubt, dass die repressiven Reflexe der arabischen Regime bereits so verinnerlicht sind, dass sie die gesamten Gesellschaften durchdringen. Von James Dorsey

Interview Mohamed Sabila:
„Die islamischen Fundamentalisten verstehen Kritik als Aggression“
Der marokkanische Philosoph Mohamed Sabila verlangt von der arabischen Welt, mehr Selbstkritik zu üben. Doch auch der Westen, der nicht nur eine Vorreiterrolle spielte, sondern auch als Kolonialmacht auftrat, muss kritisch gesehen werden.

Nahostpolitik der EU und der USA
Drohender Stillstand statt Wandel
Der Wahlsieg der Hardliner im Iran und die fehlende Bereitschaft der israelischen Regierung zu ernsthaften Zugeständnissen an die Palästinenser bedeuten einen klaren Rückschlag für Obamas Vision für Frieden und Sicherheit in der Region. Ein Essay von Michael Lüders

Perspektiven auf den radikalen Islamismus
Generationen des Zorns
Was nährt den radikalen Islamismus, und wie lässt er sich differenzieren? Volker Perthes, ausgewiesener Nahostexperte und Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik, liefert in seiner Analyse fünf konkrete Ansatzpunkte, wie Europa in der muslimischen Welt konstruktiv agieren könnte.

Die EU und Ägypten
Stabilität oder Demokratisierung?
In wirtschaftlicher Hinsicht wünscht sich die ägyptische Regierung eine Kooperation mit der EU, lehnt aber deren Menschenrechts-Konzepte als innere Einmischung ab. Isabel Schäfer zeigt das Dilemma der „Euro-Mediterranen Partnerschaft“ am Beispiel Ägyptens auf.

Wohin steuern Ägyptens Muslimbruderschaft?


Wohin steuern Ägyptens Muslimbruderschaft?

Wohin steuern Ägyptens Muslimbruderschaft?

Führungswechsel bei Ägyptens Muslimbruderschaft: Demokratieversuch mit unverhofftem Ergebnis
Annette Büchs

Am 16. Januar 2010 gab Ägyptens größte Oppositionsbewegung – die verbotene, aber geduldete Muslimbruderschaft – die Wahl von Mohammad Badei zu ihrem neuen Obersten Führer bekannt. Badei wurde Nachfolger von Mohammad Mahdi Akef, der nach nur sechs Jahren Amtszeit seinen Rücktritt erklärt hatte. Erstmals schied damit ein Oberster Führer der Muslimbruderschaft nicht durch Tod, sondern freiwillig aus dem Amt.

Analyse
Mit dem Amtsverzicht ihres Obersten Führers und der Neuwahl seines Nachfolgers versuchte die Muslimbruderschaft, sich als die politische Reformkraft Ägyptens darzustellen. Sie präsentierte damit ein Kontrastprogramm zu Ägyptens 82-jährigem Präsidenten Hosni Mubarak, der trotz seines hohen Alters nicht von seinem Amt lassen will und überdies die Weichen für die Nachfolge durch seinen Sohn Gamal Mubarak stellt. Akefs bereits im April 2009 angekündigter Rücktritt bedeutete zwar einen demokratischen Impuls innerhalb der Organisation; Vorfeld, Ablauf und Ergebnis der Wahl verdeutlichen jedoch, dass die Muslimbruderschaft damit ein politisch riskantes Terrain betreten hat.

—    Das Ergebnis der Wahl kündet von einem klaren Machtzugewinn der konservativen Kräfte innerhalb der Muslimbruderschaft.
—    Der Wahlgang und sein Vorlauf legte erhebliche Spannungen und Konflikte zwischen Konservativen und Reformern offen und förderte zudem Unzulänglichkeiten hinsichtlich der internen demokratischen Praxis zutage.

—    Das Regime und die staatsnahen Medien trugen zur Erhöhung der Konflikte bei. Dies ist insbesondere im Kontext der Weichenstellung für die Parlamentswahlen 2010 zu sehen, für die das Regime die Muslimbruderschaft als größte Oppositionsbewegung zu schwächen sucht.
—    Entgegen der ursprünglichen Intention führte der Demokratieversuch vorerst zu einer Schwächung der Muslimbruderschaft. Gleichwohl erscheinen Prognosen über ihre bevorstehende Spaltung, Auflösung oder Radikalisierung voreilig.

Den ganzen Beitrag können Sie in der Ausgabe 01/2010 des GIGA Focus Nahost ist erschienen und steht unter:

http://www.giga-hamburg.de/giga-focus/nahost zum Herunterladen bereit:

Mehr als Vernunft und Sprache


Mehr als Vernunft und Sprache

  Mehr als Vernunft und Sprache

 
Die aktuelle Ausgabe von „KULTURAUSTAUSCH – Zeitschrift für internationale Perspektiven“ widmet sich dem Thema „Körper“

Stuttgart, 1.4.2010 – Jeder Mensch hat einen: Körper. Das höchst komplizierte und komplexe System besteht zwar zum größten Teil aus Wasser, doch ist der Körper weitaus mehr, als nur ein Werkzeug. Die aktuelle Ausgabe der KULTURAUSTAUSCH schaut auf den Körper, darauf, wie sich Menschen unterschiedlicher Kulturen empfinden, wie sie sich gegenseitig anschauen, welche Bedeutung sie einzelnen Organen geben und wie sie die Trennung oder auch Vereinigung von Geist und Körper verstehen oder mit dem Tod umgehen.Dass Mutterratten schlauer sind als jungfräuliche Tiere, erklärt die amerikanische Autorin Siri Hustvedt im Interview. Richard Shusterman , Leiter des „Center for Body, Mind and Culture“ an der Atlantic University in Florida, belegt, weshalb der Mensch mehr als Vernunft und Sprache und der Körper sein wichtigstes Werkzeug ist. Der britische Psychoanalytiker Phil Mollon denkt über den Zusammenhang von Sexualität und Scham nach. Und die indisch-amerikanische Schriftstellerin Ananya Vajpeyi beschreibt, warum Frauen nach einem alten Hindu-Glauben vor der Erkenntnis der unausweichlichen Sterblichkeit geschützt werden.Auch in diesem Heft: Shi Ming und Georg Blume fragen sich, ob die deutsche Kulturpolitik in China gescheitert ist, Giaconda Belli erzählt von ihrem Lieblingsort – dem Vulkan Momotombo in Nicaragua und Assaf Gavron erklärt, warum viele israelische Straßen nach Feldfrüchten benannt sind.  Über KULTURAUSTAUSCH – Zeitschrift für internationale Perspektiven
Seit 1951 erscheint „KULTURAUSTAUSCH – Zeitschrift für internationale Perspektiven“ vierteljährlich. Sie wird vom ifa zusammen mit dem ConBrio-Verlag herausgegeben.
Das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) ist die älteste Mittlerorganisation für Auswärtige Kulturpolitik Deutschlands. Es wird gefördert durch das Auswärtige Amt, das Land Baden-Württemberg und die Landeshauptstadt Stuttgart.Ein kostenloses Rezensionsexemplar schicken wir auf Anfrage gerne an Ihre Redaktion. 

Pressekontakt:
Institut für Auslandsbeziehungen (ifa), Miriam Kahrmann, Charlottenplatz 17, 70173 Stuttgart, Tel. 0711-22 25 105, Fax 0711-22 25 131, E-Mail: kahrmann@ifa.de , www.ifa.de

Heilige Einfalt: Über die politischen Gefahren entwurzelter Religionen


Heilige Einfalt: Über die politischen Gefahren entwurzelter Religionen

 

Zum Autor: Olivier Roy, geboren 1949, ist Professor am Robert Schuman Zentrum des Europäischen Hochschulinstituts in Florenz. Zuvor war er Forschungsdirektor am Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) und unterrichtete an der Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales sowie an der Sciences Po in Paris. Er hat zahlreiche Bücher und Aufsätze über den politischen Islam, den islamistischen Terrorismus sowie den Mittleren und Nahen Osten veröffentlicht.

In Mittelasien werden Tausende Muslime Zeugen Jehovas. Weltweit am schnellsten wächst der Pfingstglaube. Heute wählt jeder seinen eigenen Glauben, der oft nicht mehr in seiner Nationalkultur verankert ist. Dies führt zu einer „heiligen Einfalt“, die Religion nur noch gefühlsmäßig erfasst und dem Fundamentalismus die Tore öffnet, erklärt Olivier Roy. Denn Fundamentalisten verweigern sich der Komplexität jedes religiösen Wissens. Lesen Sie hier einen Auszug aus „Heilige Einfalt“. Mehr lesenet, erklärt Olivier Roy. Denn Fundamentalisten verweigern sich der Komplexität jedes religiösen Wissens. Lesen Sie hier einen Auszug aus „Heilige Einfalt“. 

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Die aufstrebende muslimische Mittelschicht in Europa will als eine westliche Glaubensgemeinschaft beachtet werden und nicht etwa als fremde Kultur, meint der französische Politologe Olivier Roy. Michael Hesse hat sich mit dem renommierten Islamismus-Experten unterhalten.

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