Golfregion

Trump im Nahen Osten: Der Anti-Obama im islamischen Krisenbogen


Trump im Nahen Osten: Der Anti-Obama im islamischen Krisenbogen

Trumps erste Auslandsreise führt ihn ins Herz der islamischen Welt. Ambivalente Erwartungen und große Skepsis begleiten ihn auf diesem heiklen Terrain, schreibt der Nahost-Experte Loay Mudhoon in diesem Kommentar.
Weiterlesen »

Trump und der Nahe Osten: Die Verführung der Despoten


Trump und der Nahe Osten: Die Verführung der Despoten

Auch im Nahen Osten wird die Trump-Wahl als eine Zäsur gesehen. Viele befürchten eine Rückkehr zu einfachen Denkmustern, die seine Präsidentschaft zum Albtraum für die Region werden lässt, schreibt Nahost-Experte Loay Mudhoon in seinem Kommentar.
Weiterlesen »

Kommentar: Saudi-Arabien nach dem Tode von König Abdullah: Am Scheideweg


Saudi-Arabien geht unter dem neuen König Salman stürmischen Zeiten entgegen: Innenpolitischer Reformstau und außenpolitische Misserfolge bedrohen die Zukunft der wahhabitischen Monarchie, meint Loay Mudhoon.

Die Nachfolge des verstorbenen saudischen Königs Abdullah konnte schnell geklärt werden. Die saudische Herrscherfamilie hatte angesichts seiner langen Krankheit auch ausreichend Zeit, um sich auf den Machtwechsel vorzubereiten. Doch die reibungslos erfolgte Machtübergabe kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die saudische Führung um den neuen König Salman bin Abdalaziz mit einer Reihe von außenpolitischen Konflikten und innenpolitischen Herausforderungen konfrontiert sieht.
Weiterlesen »

Nahost-Experte Loay Mudhoon über Folgen der Arabellion: „Am liebsten Friedhofsruhe in der arabischen Welt“


Nahost-Experte Loay Mudhoon über Folgen der Arabellion: „Am liebsten Friedhofsruhe in der arabischen Welt“

Demokratie nach der Arabellion: Ölreiche Länder werden häufig autoritär regiert. Für die Förderung werden nicht viele Menschen gebraucht. Deshalb kann, wer die Macht hat, diesen Bodenschatz ausbeuten, ohne sich sonderlich um die Bedürfnisse der Bevölkerung zu kümmern. Dass es in der arabischen Welt besonders viel Öl, aber auch besonders repressive Regime gibt, ist kein Zufall, sagt der auf die Region spezialisierte Journalist Loay Mudhoon, und das wirkt sich auch auf aktuelle Konflikte in Syrien und Irak aus.

Leidet die gesamte arabische Welt am Ölfluch?
Loay Mudhoon: Ja, es fällt auf, dass alle ölreichen Länder der arabischen Welt lange entweder von säkularen Diktatoren oder absoluten Monarchen regiert wurden. Der Ölreichtum blockiert eine humane und demokratische Einwicklung. Dort, wo es kein Öl gibt, sieht es leider kaum besser aus. Dort gibt es aber auch weniger Entwicklungschancen. Ökonomisch hängen die Länder ohne Öl von den Petrodollars der Nachbarn ab. Das läuft unter anderem über direkte staatliche Unterstützung, Geldtransfers an Verwandte und Migration.

US-Präsident George W. Bush versprach 2003, die Region werde demokratisch erblühen, wenn Iraks Diktator Saddam Hussein falle.
Das war ein gewaltiger Irrtum. Heute sieht jeder, wohin die völkerrechtswidrige Invasion geführt hat. Demokratie lässt sich nicht von außen mit Waffen erzwingen.

Aber auch der arabische Frühling scheint gescheitert – mit der Ausnahme Tunesiens vielleicht, wo die Demokratie noch möglich ist. Warum haben die Aufstände den Monarchen weniger angehabt als den Diktatoren?
Die erste Welle der Arabellion ist gescheitert. Das hat mehrere Dimensionen:

  • Königsfamilien haben etwas mehr Legitimität als Diktatoren von Republiken. Sie sind institutionell besser verankert. Sie stützen ihre Macht nicht nur auf das Militär, sondern auch auf tribale Zugehörigkeit. Sie haben, anders als die Diktatoren, auch keine umfassende Modernisierung versprochen.
  • Die Monarchien, die Öl ausführen, haben einen Teil ihres Reichtums umverteilt. In manchen Golfstaaten ist die heimische Bevölkerung recht wohlhabend.

Die eigentliche Ursache der Arabellion war der Jugend-Tsunami: die große Zahl junger Leute, die im Vergleich zu früheren Generationen gut ausgebildet sind, die dank Internet und Satellitenfernsehen wissen, wie es anderswo zugeht, und die für sich selbst keine Zukunft sehen. Die wirtschaftliche Lage ist in Tunesien und Ägypten verzweifelter als in Saudi-Arabien oder Katar.
Weiterlesen »

Kommentar: Katar bleibt wichtiger Partner deutscher Außenpolitik


Kommentar: Katar bleibt wichtiger Partner deutscher Außenpolitik

Trotz Kritik an ihrem außenpolitischen Kurs setzt Bundeskanzlerin Merkel weiterhin auf eine enge Zusammenarbeit mit der neuen katarischen Führung. Das ist pragmatisch und klug zugleich, meint Loay Mudhoon.

Der Besuch des jungen Emirs von Katar, Scheich Tamim Bin Hamad al-Thani, in Berlin wurde von einer heftigen Debatte in der deutschen Öffentlichkeit überlagert: Wie sollte der „richtige“ Umgang mit dem Terror des selbsternannten „Islamischen Staates“ aussehen? Dabei geriet der kleine, aber einflussreiche Golfstaat in den Verdacht, an der Finanzierung dieser barbarischen Terrorgruppe beteiligt zu sein, obwohl es dafür bislang keine konkreten Belege gibt.

Auch Berichte über menschenverachtende Arbeits- und Lebensbedingungen ausländischer Arbeiter auf den gigantischen Baustellen in Doha ließen das Land und seine ambitionierte Führung in keinem guten Licht erscheinen. Daher war es auch nicht verwunderlich, dass hierzulande Stimmen laut wurden, die die Bundesregierung aufforderten, diese Fragen beim hohen Besuch aus Katar offen anzusprechen.

Doch Bundeskanzlerin Merkel machte nach dem Treffen mit Scheich al-Thani klar, dass Deutschland weiterhin auf enge Zusammenarbeit mit der neuen katarischen Führung setzt. Sie klammerte jedoch bekannte Streitpunkte nicht aus und musste sogar einräumen, dass es in Fragen wie etwa der katarischen Unterstützung der Hamas unterschiedliche Ansichten gebe.

Dieser pragmatische Kurs ist notwendig und klug zugleich. Denn das „Mini-Emirat“ am Golf ist als Partner deutscher Außenpolitik zu wichtig, ja geradezu unverzichtbar. Und dies ist keinesfalls allein auf die Tatsache zurückzuführen, dass Katar einer der wichtigsten Investoren in Deutschland und finanzstarker Abnehmer der deutschen Rüstungsindustrie geworden ist.
Weiterlesen »

Kommentar: Kein Ende des nahöstlichen Staatensystems von „Sykes-Picot“


Kommentar: Kein Ende des nahöstlichen Staatensystems von „Sykes-Picot“

Der Vormarsch der terroristischen ISIS-Miliz im Irak rüttelt an den künstlichen Grenzen in Nahost. Der Westen sollte pragmatisch versuchen, das entstandene Chaos unter Kontrolle zu halten, meint Loay Mudhoon.

Ohne Zweifel hat der überraschende Vormarsch der radikal-sunnitischen ISIS-Miliz im Irak die Karten im Mittleren Osten neu gemischt. Denn den Steinzeit-Dschihadisten gelang es in nur wenigen Tagen und ohne nennenswerten Widerstand durch die irakische Armee, die Kontrolle über große Gebiete im Westen des Iraks zu gewinnen. Dazu gehört die Millionenstadt Mossul, die zweitgrößte Stadt des Zweistromlandes.

Inzwischen dürften die ISIS-Kämpfer ihre Machtbasis im sunnitisch geprägten Westen des Iraks stabilisiert haben. Und sie kontrollieren bereits weite Teile im Osten Syriens entlang dem Euphrat. Zudem ist es ihnen offenbar gelungen, einen strategisch wichtigen Grenzübergang zu Syrien zu erobern. Somit ist die Grenze zwischen beiden Staaten, in denen die transnational agierenden Gotteskrieger ein Dschihadisten-Kalifat errichten wollen, faktisch nicht existent.
Weiterlesen »

Kein arabischer Frühling in Saudi-Arabien: Stabilität um jeden Preis als kategorischer Imperativ


Stabilität um jeden Preis ist der kategorische Imperativ Saudi-Arabiens. Saudi-Arabiens politische Maxime ist die Stabilität der Petrodollar-Monarchie. Alles andere ist für die Machteliten in Riad zweitrangig. Doch solange der Wahhabismus als Staatsideologie uneingeschränkt gilt, kann es keine echte Einheit der saudi-arabischen Nation geben – und auch keine echte Stabilität. Von Loay Mudhoon

Ein Vorfall auf dem Gipfeltreffen der Bewegung der blockfreien Staaten in Teheran im September dürfte die schlimmsten Befürchtungen der Saudis bestätigt haben. Das iranische Staatsfernsehen manipulierte die Übersetzung der Rede des ägyptischen Präsidenten Mohamed Mursi, der die syrische Regierung als „Unterdrückungsregime“ anprangerte. Ganze Satzteile gab der Sender falsch wieder und ersetzte „Syrien“ durch „Bahrain“.

Zwischen Iran und Saudi-Arabien tobt ein Hegemonialkonflikt. Die saudische Führung um König Abdullah fürchtet nichts mehr als eine iranische – schlimmstenfalls mit Atomwaffen untermauerte – Vormachtstellung in der Golfregion, denn aus ihrer Sicht bedroht der Iran die absolute Monarchie. Das liegt daran, dass Saudi-Arabien auf den Schutz externer Mächte angewiesen ist.

„Saudi-Arabien tut nun, was es kann, um mit sunnitischen Verbündeten den Einfluss des schiitischen Gottesstaats Iran einzudämmen.“

Seit sieben Jahrzehnten verbindet Riad eine strategische Partnerschaft mit den USA. Saudi-Arabien verfügt über ein Drittel der globalen Erdölvorräte und gewährleistet die Versorgung der USA und anderer Länder. Washington garantiert im Gegenzug militärische Sicherheit.

Aber aus Sicht der Saudis haben die USA im Irak versagt – nicht zuletzt, weil dort der Einfluss der schiitischen Bevölkerung und ihrer Geistlichen, die vielfach im Iran studiert haben, erheblich gewachsen ist. Auch der Sturz des US-Verbündeten Hosni Mubarak in Ägypten hat das Herrscherhaus beunruhigt. Saudi-Arabien tut nun, was es kann, um mit sunnitischen Verbündeten den Einfluss des schiitischen Gottesstaats Iran einzudämmen.
Wenn es einen kategorischen Imperativ der saudischen Außen- und Sicherheitspolitik gibt, dann lautet er: Alles, was die Stabilität der Monarchie sichert, hat Vorrang – im Äußern und Innern. Die Angst, das eigene Regime könne schnell stürzen, ist riesig.
Furcht vor der Revolution

Bürgerrechte im westlichen Sinne gibt es nicht in Saudi-Arabien

Tatsächlich ist die Legitimität des saudischen Systems alles andere als selbstverständlich. Seine Grundlage ist seit Mitte des 18. Jahrhunderts ein Bündnis der Herrscherfamilie mit wahhabitischen Gelehrten, die den sunnitischen Islam in einer puritanisch-fundamentalistischen Version predigen. Bürgerrechte im westlichen Sinne gibt es nicht, und die schiitische Minderheit im eigenen Land wird systematisch diskriminiert. Sie gilt als „fünfte Kolonne Teherans“. Das Grunddilemma ist: Die Führung in Riad müsste den Einfluss der Wahhabiten zurückdrängen, um Reformen in Staat und Gesellschaft durchzusetzen. Sie kann das aber nicht, weil die Fundamentalisten Teil ihrer eigenen Machtbasis sind. Ihnen zum Gefallen fördert Saudi-Arabien radikale Missionare in vielen Ländern. Die brutalste Variante des Wahhabismus wird derweil von Al-Qaida propagiert, dem Terrornetzwerk, das auch Saudi-Arabien schon angegriffen hat.

Den Arabischen Frühling sieht die saudische Führung als neue Herausforderung. Sie fürchtet, dass die revolutionäre Dynamik auf die einheimische, junge und zunehmend unzufriedene Bevölkerung übergreift. Deshalb unterstützt sie nun erst recht überall in der arabischen Welt fundamentalistisch-sunnitische Kräfte.

Das Regime reagiert damit auf die Schwäche des Westens, die sich im Arabischen Frühling offenbart hat. Die Saudis betreiben eine aktive Interventionspolitik, um den Einfluss des Iran einzudämmen – aber auch jede Art von Liberalisierung zu verhindern, welche die saudische Bevölkerung attraktiv finden könnte. So entsandten sie zusammen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten im März 2011 Sicherheitskräfte nach Bahrain, um dort Proteste gegen das sunnitische Herrscherhaus niederzuschlagen. Saudische Unterstützung für Salafisten in Ägypten setzt indessen die Muslimbrüder, die einen pragmatischen Islamismus vertreten, unter konservativen Druck.

Gerontokratie im saudischen Herrscherhaus

In Syrien wittert Riad derweil eine historische Chance: Der Sturz des Assad-Regimes, eines Hauptverbündeten Irans, würde Teheran schwächen. In Riad rechnet man fest damit, dass Syrien nach Assad von sunnitischen Kräften dominiert sein wird, die dem sunnitischen Herzland mit den Heiligtümern von Mekka näherstehen als dem Iran.

Daheim versucht die Regierung derweil, Ruhe und Loyalität mit aufwendigen Infrastruktur- und Sozialausgaben zu erkaufen. Doch solange der Wahhabismus als Staatsideologie uneingeschränkt gilt, kann es keine echte Einheit der saudi-arabischen Nation geben – und auch keine echte Stabilität. Bis auf weiteres wird diese Gerontokratie für Instabilität in ihrer Region sorgen.

Autor: Loay Mudhoon

Dieser Beitrag wurde zuerst in derZeitschrift für Entwicklung und Zusammenarbeit 2012 veröffentlicht.

*********************

Loay Mudhoon ist Nahostexperte und Redaktionsleiter des Dialogportals www.Qantara.de  der Deutschen Welle. Der Politik- und Islamwissenschaftler lehrt zudem seit 2005 am Institut für Internationale Politik und Außenpolitik und am Orientalischen Seminar der Universität zu Köln. (http://loaymudhoon.wordpress.com/).

————————

Mehr Beiträge zu Saudi-Arabien von Loay Mudhoon:

– Saudi-Arabiens Rolle im regionalen Kontext: Führungsmacht wider Willen, erschienen in: ORIENT II / 2008, Deutsche Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur des Orients, S. 26-32. Auch hier Abrufbar.

– Religion und Staatsdoktrin in Saudi-Arabien, dem Mutterland des Islam

DRadio-Wissen im Gespräch mit Loay Mudhoon, Islamwissenschaftler und Nahostexperte der Deutschen Welle.

Der Wahhabismus – eine sehr rigide, sehr konservative Lesart des Islams – ist die Staatsdoktrin Saudi-Arabiens. Die Wahhabiten stützten sich auf die Schriften von Muhammad ibn Abd al-Wahhab aus dem 18. Jahrhundert. „Der ist aus europäischer Sicht so etwas wie ein ‚Gegenaufklärer'“, sagt Loay Mudhoon. „Minderheiten, wie die Schiiten, werden in Saudi-Arabien stark diskriminiert und sind für den großen Teil der wahhabitischen Prediger gar keine Muslime mehr.“ Das sei ein großes Problem.

Zudem finanziert Saudi-Arabien auch islamische Stiftungen, islamische Schulen und islamische Akademien im Ausland. „Dann exportiert man natürlich auch diese Lesart, dieses Dogma mit.“ Als Beispiel nennt Mudhoon die König-Fahd-Akademie in Bonn.

Implosion statt Revolution

Der saudi-arabische Staat ist vom Wahhabismus getragen. Deshalb hat Loay Mudhoon keine Hoffnung auf eine Revolution nach ägyptischem Vorbild. Eine religiöse Gegenbewegung zum Wahhabismus gebe es nicht, wohl aber eine „liberale Elite“, deren Ansprüche gewachsen seien. Trotz der rigiden Staatsführung, die eng mit den wahhabitischen Gelehrten verflochten sei, übe diese Elite zunehmend Druck aus. Mehr

Atomstreit: Sitzt der Iran am langen Hebel?


Ein israelischer Militärschlag gegen Teherans Atomanlagen wird immer wahrscheinlicher. Dabei hat der Krieg gegen den Iran längst begonnen: Seit Jahren verschärfen die USA und Europa ihre Wirtschaftssanktionen. Die unkalkulierbaren Folgen dieser Boykottpolitik nimmt der Westen offenbar in Kauf.

Dass der IRAN den Dialog über sein ATOMPROGRAMM wieder aufnehmen möchte, ist eigentlich ein gutes Zeichen. Aber wie reagiert der Westen? Man glaubt dem Regime kein Wort, das seinerseits immer wieder wenig vertrauenstiftende Aktionen startet, wie zuletzt die Verlagerung von Atomanlagen in unterirdische Bunker.

Die verschärften WIRTSCHAFTSSANKTIONEN, schreibt Gary Sick, der u.a. Berater von US-Präsident Jimmy Carter war, machen andererseits die Lage womöglich erst richtig gefährlich: Wenn Mitte 2012 der fast vollständige Boykott
iranischer Bankgeschäfte und Ölexporte durch die USA und die Europäische
Union formell in Kraft tritt, wird aus den wirtschaftlichen
Zwangsmaßnahmen endgültig ein verdeckter Krieg geworden sein?

Dass Teheran stillhält oder einfach klein beigibt, ist wenig wahrscheinlich.
Das komplette Szenario von Gary Sick „Iran am langen Hebel“ lesen Sie
hier in der aktuellen Ausgabe von Le Monde diplomatique.

Mehr zum Streit um das iranische Atomprogramm:

Irans umstrittenes Atomprogramm

Teheraner Visionen und nukleare Realitäten

Das iranische Nuklearprogramm steht seit über einem Jahrzehnt im Zentrum der internationalen Aufmerksamkeit. Von Anfang an ging es dabei jedoch um mehr, als nur um technische Details und die völkerrechtlichen Aspekte des Programms. Vielmehr spielten ideologische Positionen und geostrategische Interessen eine wichtige Rolle. Eine Analyse von Walter Posch. Mehr lesen..

Interview mit Ali Granmayeh

Iran und die “Arabellions“

Im Jahr 2009, vor dem Beginn des Arabischen Frühlings, erhoben sich Iraner in der Grünen Bewegung gegen das Regime in ihrem Land – ohne Erfolg. Was denken Iraner über die Welle der arabischen Revolutionen? Darüber sprach Mona Sarkis mit dem ehemaligen iranischen Diplomaten und Politikwissenschaftler Ali Granmayeh. weiter »

 

 

Roads of Arabia: Das Berliner Pergamonmuseum zeigt vorislamische Schätze aus Saudi-Arabien.


Roads of Arabia: Das Berliner Pergamonmuseum zeigt vorislamische Schätze aus Saudi-Arabien.
Roads of Arabia: Archäologische Schätze aus Saudi-Arabien

Roads of Arabia: Archäologische Schätze aus Saudi-Arabien

Vom 26. Januar bis 9. April stellt das Museum für Islamische Kunst in „Roads of Arabia“ das archäologische Erbe des saudischen Königreichs aus.

Die eindrucksvollen Zeugnisse der Vor- und Frühgeschichte sowie die antiken Kunstwerke Saudi-Arabiens, von den ersten Faustkeilen über die römische Antike mit bezauberndem Glas, goldenen Grabbeigaben und monumentalen Kolossalstatuen sowie frühislamischen Meilensteinen und Inschriften, werden räumlich und architektonisch innovativ in einer abstrakten Landschaft inszeniert, ob zwischen hohen Felswänden oder in einem Palmenhain. Die Kolossstatuen aus dem Haupttempel von Dedan – tonnenschwere Giganten – werden unterstützt durch eine Soundinstallation in eine transmaterielle Sphäre gehoben, während der Goldschmuck aus den Gräbern in Thaj und Ayn Jawan in einer Grabkammer zu sehen ist – physisch für den Besucher begehbar. Der Boden ist rau, unter ihren Sohlen spüren Sie die Materialität der Landschaft und werden dort Ihre Spuren hinterlassen.

Im Laufe der Wochen werden Pfade durch die Ausstellung entstehen – so wie die Reisenden entlang der alten Handelstraßen und Pilgerrouten ihre Spuren in die Landschaft einschrieben haben.

Hervorzuheben sind besonders auch Objekte der Kaaba in Mekka und aus dem Prophetengrab in Medina, eingebettet in eine kontinuierliche Kulturgeschichte von über 6000 Jahren – eine kulturpolitische Sensation! Für Nahostkenner eine doppelte Überraschung: zum Einen war dieses archäologisches Erbe bisher weitgehend unbekannt, zum anderen ist die kulturhistorische Präsentation aller Epochen als Bekenntnis zum Schutz eines umfassenden Kulturerbes Saudi-Arabiens ein enorm wichtiger Schritt!

Entdecken Sie die Webseite zur Ausstellung mit Timeline, Highlights der Woche, Videos, Lernspielen und vielem mehr.

Zur Webseite hier!
Zu den über 120 Terminen im Begleitprogramm hier!

Zum Katalog hier!

Das Begleitbuch bei SMB online zum Sonderpreis hier!
Herausgegeben vom Museum für Islamische Kunst von Ute Franke, Ali Al-Ghabban, Joachim Gierlichs und Stefan Weber
Wasmuth-Verlag, 2012, 308 Seiten, Klappenbroschur, zahlreiche farbige und s/w-Abbildungen, Best. Nr.: ISL009721
Preis: € 29,90 (Buchhandelspreis 45 €)

Berichte zu Roads of Arabia:
In der Tagesschau hier!
Carola Wedel im ZDF Morgenmagazin hier!
Dagmar Pfeiffer in der RBB Abendschau hier!
Dieter Kassel im Deutschlandradio hier!
Jürgen König im Bayrischen Rundfunk hier!
Frank Schmid im Kulturradio RBB hier!
Impressionen von kunstundfilm hier!

Ausstellung im Pergamonmuseum: Götter der Wüste Saudi-Arabiens
Rückkehr eines Schatzes: Das Pergamonmuseum zeigt in einer grandiosen Ausstellung die Funde von Tell Halaf.
http://www.zeit.de/kultur/2011-01/pergamonmuseum-tell-halaf

Ausstellung “Roads of Arabia

“Saudi-Arabiens überraschende Schätze

Vom 26. Januar bis 9. April stellt das Museum für Islamische Kunst in „Roads of Arabia“ das archäologische Erbe des saudischen Königreichs aus. Die Kollektion hält einige Sensationen bereit und zeigt, dass sich der Wüstenstaat wandelt. Mehr…

Ausstellung: Roads of Arabia Glanz und Größe der Karawanen

30.01.2012 ·  Es war einmal im Karawanenland: Eine Austellung im Berliner Pergamonmuseum eröffnet überraschende Perspektiven auf die frühe Kulturgeschichte der arabischen Welt. Von Andreas Kilb

Rückschau: Wind of Change in Saudi-Arabien ?

Interview mit dem saudischen Blogger Ahmed al Omran

“Die Arabellion inspiriert auch die Saudis“

Ahmed al Omran ist einer der bekanntesten Blogger Saudi-Arabiens. Auf seinem Blog Saudijeans.org schreibt er seit sieben Jahren über Politik und Gesellschaft in seiner Heimat. Im Gespräch mit Benno Müchler spricht er über die Lage in seinem Land, und warum dort der Aufruhr bislang ausblieb. 

Neue Studie des Deutschen Orient-Instituts zum Arabische Frühling


Neue Studie des Deutschen Orient-Instituts zum Arabische Frühling

Wird der „Arabische Frühling“ in einem islamistisch dominierten, rückwärtsgewandten und deshalb grauen Herbst enden? Ist der Traum der neuen, arabischen Demokratie-Bewegungen von Freiheit und Rechtsstaatlichkeit, vom Leben in Würde durch die Ergebnisse der ersten wirklich freien Wahlen in Ägypten ein Jahr nach der „Arabellion“ nun ausgeträumt?

Die Publikation des Deutschen Orient-Instituts analysiert die Ereignisse der letzten Monate in den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens, stellt diese in den historischen, sozio-ökonomischen und gesell-schaftlichen Kontext und untersucht den Wandel in der arabischen Welt.

Hierbei werden nicht allein Staaten wie Tunesien, Ägypten oder Libyen in den Blick genommen, die als Hot Spots des „Arabischen Frühlings” gelten, sondern auch die vermeintlichen „Horte der Stabilität” wie Saudi-Arabien oder andere ressourcen-reiche Golfstaaten. Auch vor diesen Ländern macht der Wandel in der Region nicht Halt. Er verdeutlicht sich aber in jedem Land auf unterschiedliche Weise. So möchte die Publikation auf Tendenzen, Perspektiven, Brüche und Herausforderungen in allen arabischen Ländern aufmerksam machen und in einem Exkurs auch die Rolle von Deutschland, der EU und der Türkei beleuchten.

Die Publikation steht hier für Sie zum Download bereit.

Mehr zum Arabischer Frühling

Dossier: Arabischer Frühling

Die Wut der Tunesier und Ägypter gegen ihre autokratischen Herrscher hat eine beispiellose Revolte in den arabischen Staaten ausgelöst. In unserem Dossier informieren wir über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe der Massenproteste. weiter

Syrien-Konflikt: Hintergründe zur unerwarteten Renaissance der Arabischen Liga


Syrien-Konflikt: Hintergründe zur unerwarteten Renaissance der Arabischen Liga

Das Regime von Präsident Baschar al-Assad nahm am Treffen der Arabischen Liga am 16. November in Rabat nicht teil. Die Arabische Liga hatte Syrien ein Drei-Tages-Ultimatum für die Beendigung gewaltsamer Angriffe auf Oppositionelle gesetzt.

Die Arabische Liga handelt erstaunlich entschlossen gegenüber dem reformunwilligen Assad-Regime – eine Reaktion auf die epochalen Umwälzungen und die regionalen Machtverschiebungen in der arabischen Welt. Eine Analyse von Loay Mudhoon

Jahrzehntelang galt die Arabische Liga als machtloser Staatenbund, als marode Organisation ohne erkennbare Strukturen und ohne jede politische Bedeutung. International wirkte dieser „arabische Papiertiger“ oftmals wie eine Lachnummer.

Für viele arabische Beobachter und Demokratie-Aktivisten verkörperte sie deshalb die „arabische Malaise“, die vor allem durch den politischen Stillstand und die Ohnmacht der Menschen auf der Straße zum Ausdruck kam. Doch die historischen Umwälzungen des arabischen Frühlings scheinen die Institution von ihrer selbstverschuldeten Passivität und Unmündigkeit befreit zu haben.

Libyen-Intervention als Wendepunkt

Das überraschende Engagement der Arabischen Liga begann im März dieses Jahres inmitten des Libyen-Konflikts, als sie zum ersten Mal in ihrer 66-jährigen Geschichte einer Intervention von außen zustimmte.

Als sie forderte, eine Flugverbotszone über dem Land einzurichten, hatte sie den NATO-Einsatz innerhalb der arabischen Welt legitimiert – und sich damit vom Prinzip der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten anderer arabischer Staaten verabschiedet. Dieser Wendepunkt ist bemerkenswert. Er geht in erster Linie auf die regionalen Machtverschiebungen durch die Revolutionswelle zurück, aber auch darauf, dass die arabischen Völker als Machtfaktor auf die politische Bühne zurückgekehrt sind.

Denn die öffentliche Meinung ist aus politischen Entscheidungsprozessen in der postrevolutionären arabischen Welt kaum mehr wegzudenken, seit Ben Ali in Tunesien und Mubarak in Ägypten gestürzt worden sind und seit der Fernsehsenders Al-Jazeera aus Qatar zum Sprachrohr der arabischen Revolutionen aufgestiegen ist – wenn auch mit einer Ausnahme: Den Volksaufstand in Bahrain hatte der Sender als „Unruhen mit konfessionellem Hintergrund“ heruntergespielt.

Entschlossen gegen das Assad-Regime

Das Gaddafi-Regime in Libyen war den meisten Mitgliedern der Liga verhasst und es war regional weitgehend isoliert. Der Fall Syrien liegt anders: Das Land gehört historisch und kulturell zu den arabischen Kernstaaten und zur Wiege des arabischen Nationalismus.

Und das Assad-Regime hat es verstanden, sich bei der Bevölkerung als vermeintlicher Verteidiger arabischer Interessen gegen den hegemonialen Einfluss des Westens zu inszenieren. Zudem pflegt Syrien eine strategische Allianz mit dem Iran und der Hisbollah im Libanon – mächtige Verbündete in der Region.

Vor diesem Hintergrund muss die Entscheidung der Arabischen Liga bewertet werden, Syrien aus der Organisation auszuschließen, da es sich nicht an den vereinbarten Vermittlungsplan hält. Das hat eine völlig andere Qualität als das Votum gegen Libyen.

Qatar und Saudi-Arabien als treibende Kräfte

Dieses ungewöhnliche Engagement der Arabischen Liga hat jedoch weder mit einer etwaigen Demokratie-Begeisterung der momentan tonangebenden Staaten zu tun, noch mit Sympathie für die syrischen Aufständischen. Schließlich unterdrücken fast alle Mitgliedsländer der Liga friedliche Proteste und lehnen grundlegende demokratische Reformen in ihren Staaten ab.

Außerdem entsandten Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate Mitte März ihre Sicherheitskräfte nach Bahrain, wo sie der Regierung wunschgemäß dabei halfen, die Proteste gegen das sunnitische Herrscherhaus niederzuschlagen.

Die reichen „Petro-Monarchien“ Saudi-Arabien und Qatar möchten die Chance des Umbruchs in ihrem Sinne nutzen: Die Herrscherfamilie in Doha will ihr Mini-Emirat endgültig als Regionalmacht etablieren; dazu nutzt sie ihre geschickte Scheckbuchdiplomatie und den TV-Sender Al-Jazeera als mediales Soft-Power-Instrument.

Die Strategen in Riad wiederum wittern eine andere historische Chance: Nach dem Sturz Saddam Husseins im Irak ist der Einfluss des Iran gewachsen – durch einen Abtritt eines seiner Verbündeten, Syriens Baschar al-Assad, könnte die Macht Teherans wieder zurückgedrängt werden. Die Machteliten um König Abdullah rechnen im Augenblick fest damit, dass Syrien nach Assad von sunnitischen Kräften dominiert sein wird, die dem „sunnitischen Herzland des Islam“ näher stehen als dem schiitischen Gottesstatt.

Auch die schiitische Hisbollah im Libanon, „Irans trojanisches Pferd in der arabischen Welt“, wäre ohne das Assad-Regime nicht mehr als eine berechenbare Größe. Bestärkt wird dieser Kurs der Liga auch dadurch, dass die Hamas-Bewegung, ein palästinensischer Ableger der sunnitischen Muslimbrüder in Ägypten, sich weigert, die brutale Niederschlagung der Proteste gegen Assad zu unterstützen.

Es sind aber nicht nur die offensichtlichen Ängste arabischer Golfmonarchien vor iranischer Vorherrschaft, die die Arabische Liga zu ihrer Interventionspolitik zwingen. Es ist auch die momentane Schwäche des Westens: Der spielt zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg keine nennenswerte Rolle dabei, die neuen Verhältnisse im Mittleren Osten zu gestalten. Das dürfte die Arabische Liga in ihrem neuen Kurs bestätigen.

Loay Mudhoon

© Loay Mudhoon/ Qantara.de 2011

Die arabische Revolution: Von der Diktatur zur Demokratie?


Die arabische Revolution: Von der Diktatur zur Demokratie?

Die aktuellen April-„Blätter für deutsche und internationale Politik“ widmen sich dem Umbruch in der arabischen Welt und dem Kampf arabischer Bürger um Selbstbestimmung, Freiheit, Würde und politische Partizipation.

Die arabische Revolution: Von der Diktatur zur Demokratie? Die arabische Welt steht am Scheideweg: In den nächsten Monaten wird  sich entscheiden, ob die revolutionären Umwälzungen erfolgreich  weitergehen oder die Diktatoren doch die Oberhand behalten.

Der  Politikwissenschaftler Jochen Hippler richtet den Blick auf die Entwicklung der gesamten Großregion; er konstatiert das Ende der Erstarrung im Nahen und Mittleren Osten:

„Spätestens seit die Demonstranten in Tunesien den langjährigen Diktator Ben Ali zum Rücktritt zwangen, haben sämtliche Herrscher des Nahen und Mittleren Ostens Grund zur Beunruhigung. Die internationale Öffentlichkeit hat ihre Aufmerksamkeit inzwischen von Tunesien nach Ägypten und Libyen verschoben„

Seine Kollegin Khadija Katja Wöhler-Khalfallah untersucht die Gefahr der Islamisierung am Beispiel des neuen Ägyptens und der Journalist Heiko Flottau beleuchtet die Konsequenzen der arabischen Revolutionen für den Nahen Osten und insbesondere für den Staat Israel in der neuen Umgebung:

„In Arabien fällt ein diktatorisches arabisches Regime nach dem anderen, und was machen die westlichen Politiker und Medien? Sie verfallen umgehend in den üblichen Reflex: Was, so fragen sie, bedeutet die arabische Revolution für die Sicherheit und Stellung Israels in der Region?“.

=> Jetzt online lesen:
http://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2011/april/guttenberg-ff.-aus-farce-wird-ernst

»BLÄTTER FÜR DEUTSCHE UND INTERNATIONALE POLITIK« | WWW.BLAETTER.DE

Mehr zu der arabischen Bürgerrevolution

Interview mit Arnold Hottinger
„Es gibt eine neue, nicht-ideologische politische Kraft“
Die Volksaufstände in der arabischen Welt haben die bisherige politische Ordnung der autoritär regierten Staaten zum Teil komplett auf den Kopf gestellt. Im Gespräch mit Mona Sarkis erläutert der Nahostkenner Arnold Hottinger die Auswirkungen und Perspektiven der Proteste in der Region.

Libyens Intellektuelle unter der Diktatur Gaddafis
Unterdrückung in der Heimat – Blüte im Exil
Muammar al-Gaddafi glaubte, mit den in seinem „Grünen Buch“ entwickelten politischen und gesellschaftlichen Theorien einen intellektuellen Markstein gesetzt zu haben. Bildung, Kultur und Geistesleben in Libyen hatten sich weitgehend auf den Tanz um dieses Goldene Kalb zu beschränken. Von Fakhri Saleh

Qantara.de-Dossier
Arabischer Frühling
Die Wut der Tunesier und Ägypter gegen ihre autokratischen Herrscher hat eine beispiellose Revolte in den arabischen Staaten ausgelöst. In unserem Dossier informieren wir über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe der Massenproteste.

Die Bürgerrevolution im Nahen Osten

Kampf um Freiheit, Würde und Gerechtigkeit

Die Massenproteste in Tunis und Kairo haben die alten Regime in Tunesien und Ägypten hinweggefegt. Die Demokratiebewegung in Tunesien und Ägypten hat eine politische Wende herbeigeführt, die das Tor zu einer demokratischen Entwicklung in der Region weit aufgestoßen hat. Aus dem Funken ist ein Lauffeuer geworden, in Algerien, Marokko, Jemen, Bahrain, Jordanien und Libyen gehen Bürgerinnen und Bürger auf die Straße und fordern die Machthaber heraus. Die Heinrich-Böll-Stiftung begleitet die aktuellen Entwicklungen mit Analysen, Kommentaren und Interviews in diesem Dossier.